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Zum ersten Mal habe ich Empowerment in der Stadtmitte angeschaut und war gleich malgeflashed. Was ist das denn zum Teufel? Räudiger Gesang auf deutsch mit ballernden Gitarren und Schlagzeug? Boah, die spielen echt Bullenschweine??? Ist ja hammergeil. Das zum Kennenlernen der Band. Ich hab mir mal Jogges geschnappt und ihm ein paar Fragen gestellt bezüglich Stuttgart Ost, Szene, Faschos uvm.

Phil: Für was steht Empowerment?

Empowerment steht in der Sozialen Arbeit für Selbstermächtigtes und ressourcenorientiertes Handeln, Denken und Arbeiten. DIY, Eigenes Engagement bringen und nicht fremdbestimmt, marionettengleich durchs Leben wandeln. Anwalt in eigener Sache. Selbstbestimmt – power to the people. Sehr frei Krist-styled ausgelegt, aber im Grunde trifft es sehr genau den Kern und spiegelt für uns genau das wofür wir stehen, wie wir handeln und denken. Ein Kollektiv, selbstbestimmt im Denken und Handeln ganz im Angesicht der Freiheit. Wir lassen uns weder von irgendwelchen Szenecodes noch von irgendwelchen Strategen und Besserwisser vorschreiben wie wir unser Leben zu leben haben. Nicht als einzelne Menschen die hinter EPM stecken und natürlich auch nicht als Band Empowerment. Wir sind eine Hardcore/Punk Band, die sicherlich für gewisse Wertesteht die in der heutigen Szene oftmals in Vergessenheit geraten. Für uns selbstverständlich unsere Fresse gegen Rassismus, Faschismus, Sexismus und Homophopie aufzumachen, die Reaktionen auf unsere Texte und Ansagen zeigen jedoch dass es wohl nicht so selbstverständlich ist dass Menschen in Bands sichdazu bekennen. Für viele ist es Geltungssucht und Konsum geworden – Mainstream– whatever. Hauptsache die Zahlen stimmen und die „likes“ auf facebook. Vielleicht ist unsere Band ein Versuch aufzuzeigen, das es auch entschleunigt geht. Die Welt dreht sich bei vielen Menschen in einem Schwindelerregendenneurotischen Beat, da tanz ich nicht zu.

Phil: Ich hab euch schon oft live gesehen. Auf der Bühne spricht ihr euch oftgegen Rassismus, Sexismus sowie Homophobie aus. Wurdet ihrschon damit konfrontiert, sei es von Idioten die sich auf eines eurer Konzerte verirrt haben, oder im privaten Leben?

Wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann müssen wir erkennen, dass wir jeden Tag mit Rassismus, Faschismus, Sexismus und Homophopie konfrontiert sind. Viele Menschen gehen völlig unreflektiert mit Worten um. „Boah du Schwuchtel“, „wie behindert ist das bitte?“, „so eine Hure“. Nur ein paar Beispiele die jeder so oder so ähnlich sicherlich täglich um die Ohren geklatscht bekommt. Es stellt sich nicht die Frage was wir als Epm da tun,sondern wie sich jeder Mensch selbst in solchen Situationen verhält?!

Wenn ich also Texte gegen Diskriminierung schreibe oder Ansagen von der Bühne mache, sohebe ich nicht meinen Zeigefinger, sondern möchte viel mehr dazu Mut machen sich einzumischen und Werte die wir mit uns rumtragen auch zu leben. Talk is cheap und ein Antinazi-Aufnäher ist schnell auf die Jacke genäht.

Weggeschaut ist schnell und einmischen erfordert Mut. Du fragst aus Beispielen im privaten Leben. Hab mich oft gegen Nazis geboxt in meinem Leben. Mit dem Boxen wird es weniger, ist vielleicht auch besser so,aber meine Fresse halte ich natürlich nicht. In der letzten Saison im Stadion hatten wir Mega Stress mit so ner anderen Crew, weil einer sagte als Cacau eingewechselt wurde „jetzt wird wieder dieser scheiss Quotenneger eingewechselt“, natürlich platzt mir bei so was der Kragen und es gab einen drauf.

Vor ner Weile fuhr ich nach der Arbeit heim und es saß ein vermutlich obdachloser Mannin der Bahn, zumindest war er etwas verwahrlost und hatte einen sehr strengen Geruch an sich. Klar ist das nicht unbedingt angenehm, aber ich muss ja nicht mit ihm ans Ende der Welt fahren. Es war dem Mann sichtlich unangenehm und er spürte die spießigen und verurteilende Blicke und sah die empörten Gesichter. Immer kleiner hat er sich gemacht als die Stimmen immer lauter wurden und er direkt angegangen wurde. Ich sah an seinem hilfesuchenden Blick er kann nich tanders, ist alleine.

„Wirklich eine Unverschämtheit so stinkend hier in der Bahn zu sitzen“ kam von einem braven Bürger. Ich sagte, dann verpiss dich doch aus der Bahn und lauf heim du Spießer, die Bahn ist für alle Menschen da und wenn es dir nicht passt dann setz dich wo anders hin. Die hilfesuchenden Blickedes alten Mannes wurden durch ein dankbares und liebevolles Lächeln ersetz.

Beim Aussteigen sagte er leise Danke zu mir und nahm meine Hand für einen Augenblick.

Phil: In euren Texten spüre ich eine gewisse Sozialromantik. Seid ihr Sozialromantiker?

Ich schreibe über Dinge die mich beschäftigen und die mich umgeben. Dinge die ich in diese Welt schreien möchte– Missstände die ich anprangere. Oftmals ist es ein Gemisch aus persönlichen Sichtweisen und Haltungen, vielleicht sogar Emotionen die ich aufgesellschaftliche Missstände adaptiere. Ich versuche es steht etwas lyrisch zuverpacken – Strassenpoesie, vielleicht es das was dich dabei romantisch träumen lässt.

Phil: Beschreib mal Stuttgart Ost aus eurer Sicht, dieser sogenannte„Problembezirk“ (Stuttgarter Zeitung).

Aus meinen Augen betrachtet ist Stuttgart Ost sicherlich kein so genannterProblembezirk, weiss nicht wer dir das reingesungen hat? Stuttgart Ost ist sehr facettenreich. Die Reichen und Schönen oben auf der Gänsheide und je weiter es runter geht desto „assiger“ wird’s. Natürlich wohne ich in Ostheim, einem alten Arbeiterbezirk weiter unter, you know. Dieser Arbeitercharme sprüht und lebt hier. Die Mieten in unserem Viertel sind nicht so teuer wie in anderen Stuttgarter Stadteilen. Hoher Ausländeranteil – thats why we call it Ostanbul.

Workingclass und Säufer. Der Osten wird auch der rote Osten genannt, weil es schon seit je her Leute hier gab, die sich aufständisch gezeigt haben. Wahlergebnisse zeigen, dass hier Rot die dominante Farbe ist. Gemessen andanderen Städten ist es hier in Stuttgart und natürlich auch im Ostend eher zahm. Hier gibt es kein Sankt Pauli, kein Neukölln und auch kein Kreuzberg und dennoch sagen wir oftmals lächelnd wenn Freunde zu Besuch sind – das hier ist eben unser Kreuzberg.

Stuttgart Ost hat einen unbeschreiblichen Charme. Mibarrio homes.

Phil: Andern Hände reichen, das kommt ab und an in der Szene noch vor, und etwas Gemeinsames wird aufgebaut. Gibt es eine Szene und wie stellt ihr euch eine Hardcoreszene vor?

Hardcore ist progressiv und die Szene wird von den Menschen mit Leben gefüllt, die in der jeweiligen Stadt leben, sich in einem kreativen und erschaffenden Lebensabschnitt befinden und irgendwie aktiv mitgestalten wollen. Ich komme in Städte, da sind überdurchschnittlich viel straight edge kids in der Szene. In anderen Städten sind es nur so Mainstream Bauern die außer Madball, Blood for Blood und den ganzen vierfarb Bands mit den schlimmen Schriftzügen nix kennen.

In anderen saufen sie wie Arschlöcher. In andere sind voll viel Punks am Start und in anderen wiederum dominieren Skins. Manche sind politisch aktiv und andere nicht, selbst in der eigenen Stadt gibt es da ja Kluften. Wo setzen wir also an? Was ist Hardcore?

Phil: Eins eurer großen Themen ist auch das Projekt Stuttgart 21 —- erfolgreich gescheitert?

Ich hoffe es sehr! Ich habe diese scheisse nie gewollt.

Phil: Du sprachst von der Wichtigkeit der Likes für Bands. Warum für euch kein Facebook?

Ich persönlich brauche kein Facebook in meinem Leben. Verteufel es nicht, sehe es aber durchaus kritisch. Die anderen sind alle da, aber wir haben uns als Band gesagt dass wir es einfach nicht wollen. Da is er wieder der Entschleunigungs-Gedanke. Es geht auch anders, glaub mir.

Phil: Und weil es für uns auch anders geht; wie steht ihr zur Veganen/Vegetarischen Ernährung? Ist das ein Thema bei euch?

Für die meisten in der Band ein sehr wichtiges Thema. Außer Kehbel leben allevegetarisch, manche sogar kurz vor den Toren zum Veganer. Kann auch hier nur für mich sprechen und sagen dass es mir ebenso sehr wichtig ist im Leben und ich es für mich sehr strikt und konsequent durchziehe, aus voller Überzeugung und mit einem lächelnden Herzen.

Schleich auch schon ewig drum herum da mal nen Text drüber zu schreiben.

Phil: Und mal zu den anderen — was sind zurzeit deine liebsten Bands?

Überyou hab ich letztens für mich entdeckt. Die neue Strife ist Hammer. Freu mich schon sehr auf die neue Terror. Forsaken aus Uk solltet ihr alle checken. Feine Sahne Fischfilet wohl eine der ehrlichsten Bands. Expire ziehen mich in ihren Bann. Rotting out rules. Passy oh Hassy aka Patty o hara – ich bin Fan. Hell and Back sind mega und ich freu mich auf die Platte. Im Moment hör ich viel zu wenig Hip Hop.

Phil: Wie sehen die Pläne für2013 aus?

Einen Text über Vegetarismus schreiben.

Phil: Wo steht der VFB am endeder Saison?

Hoffentlich auf einem internationalen Platz und DFB Cup Sieger.

Phil: Last Wordz?

Schlof nakad no versoichsch koi hos! [schwäbisch; Schlaf nackt, dann pisst du dir in keine Hose.]

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