Reißerischer Titel, und was dahinter?

Viel, aber nicht viel Gutes, denn leider verschwindet dieses Buch im Strudel des Selbsthasses und des Bodyshamings.  Die Formulierungen machen es keiner Person leicht, sich selbst trotzdem gut zu finden, wie sie gerade ist, und es wird nicht gerade mit körperpositiver Sprache um sich geworfen. “Dick” ist falsch und zu bekämpfen, der eingehende Selbsttest wirkt wissenschaftlich auf manche vielleicht, aber scheint mir eher an den Haaren herbei gezogen (“Haben Sie oft Lust auf Süßes?”). Die Bilder sind durchweg lieblos, noch langweiliger als die Rezeptbilder, die einen 90er-Jahre-Brigitte-Diät-Touch haben, sind allerdings die Stockfotos von glücklichen Kindern auf Schaukeln oder besorgten Veganerinnen, die nicht zunehmen wollen.

Außerhalb der Box denken

Der Autor greift am bissigsten in den Infoboxen an. “FINGER WEG: DIESE LEBENSMITTEL MACHEN DICK!” verteufelt von vorneherein ganze Lebensmittelgruppen, wie Pizza, weißer Reis und Pasta (was da noch Schinken, fetter Käse und Butter machen, erschließt sich mir in einem veganen Buch nicht ganz, für Umsteiger sollte ja logisch sein, dass hier nichts vom Tier auf den Tisch kommen wird, ob BÖSE oder nicht). Diese Fakten sind so wichtig, dass sie repetiv nochmal im hinteren Umschlag runtergebetet werden müssen. FINGER WEG! -_-

Den Abschuss liefert aber der Kasten “PUMMELCHEN HABEN ES SCHWER”, in dem aufgezählt wird, welche abscheulichen Nachteile ein Leben mit mehr Kilos haben wird. Nicht nur das ätzende Wording “SCHWABBELPFUNDE” kommt darin vor, auch ist es für all die Dicken wirklich schwer, statt 36 und 38 im Laden zu suchen, die 40 und 42 (!?!?!?) zu nehmen. Aha. Partner bekommen sie auch keine. Auswärts müssen sie oft vorher schon Kalorien zählen. Und um das alles noch zu toppen, sind die ganzen Pummel ständig beim Arzt.

Und die Rezepte?

Die sind natürlich von der Menge knapp bemessen, wie das bei Schlankmachbüchern so ist, und natürlich nimmt mensch dann ab. Ob sie lecker oder abwechslungsreich sind, das will ich nach all dem doofen Drumrum gar nicht mehr rausfinden. Dann lieber doch das von Sylvie Hinderberger: “Vegan Abnehmen”. (kat)

Das sagt der Verlag:

Schnell schlank: 4 Kilo in 1 Woche

Wer vegan abnehmen will, muss wissen, dass pflanzliche Lebensmittel mit hohem glykämischem Index als “Carbo-Bremse” den Fettabbau im Gewebe verhindern und den Stoffwechsel drosseln. Klaus Oberbeil macht sich solche und weitere neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zunutze und lüftet das Super-Vegan-Geheimnis: Weglassen, was dick macht und nur noch essen, was ein natürlicher Fatburner ist. Und das ganz ohne Mangelerscheinungen, denn in der Super-Vegan-Ernährung sind alle wichtigen Nähr- und Biostoffe enthalten.