Nicht vollvegan, nicht mal vegetarisch, aber ganz ohne Zucker.

Dieses Buch hat mich interessiert, da das Grundthema an sich schon spannend ist. Weil ja eh immer bei jeder Kochshow und bei jedem omnivoren Rezept in meinem Hirn ein “Veganisierer” abläuft, ist dieser Filter auch bei diesem Buch vor meinen Augen. Auch wenn ich hier schon oft Speck & Ei ausblenden muss. Atkins, ick hör dir trapsen, dachte ich auch ab und zu. Kein Zucker, aber umso mehr Tier. Viel Eiweiß, auch Fett ist erlaubt. Laut der selbsternannten Anti-Zucker-Queen ist das ok, nur nicht zuviel.

Zucker-Verzicht allerorten

Viele kulinarische Eindrücke, die ich durch meinen facebook-Feed habe, drehen sich um Gebackenes, Süßes und Zuckriges. Auf der anderen Seite wird in nahezu jedem gesundheitlichen Vegan-Kontext auf den Zucker und dessen Kumpels Fruktose und Süßstoffe eingedroschen. Und das ist nicht neu, die zukerfreie Ausrichtung auf dem Speiseplan, die für eine bessere Haut und einen klareren Geist sorgen soll, propagierte schon die erste Veganerin, die ich jemals öffentlich wahrnahm: Alicia Silverstone. Sie erklärte damals in Frauenzeitschriften, dass es ihr unendlich gut tat, auf verarbeitete Lebensmittel zu verzichten und dass sie besser denken kann und nicht so müde wird ohne Zucker und weißes Mehl. Fasziniert war ich davon schon immer.

Wie ist das so, ohne Zucker?

Darum habe ich den Blick in dieses Buch riskiert. Ich plane keine zero sugar Phase. Wenn ich das Buch richtig verstehe, sollte dies nämlich durchaus geplant und durchdacht werden. 🙂 Der Entzug ist nämlich nicht ohne. Schließlich geht es auch um fruchteigenen Zucker, auf den zu Beginn verzichtet wird. Ich kenne ja mindestens zwei Menschen, die kaum Zucker zu sich nehmen, aber Fruktose steht bei ihnen nicht auf der schwarzen Liste. Eher der weiße Industriezucker. Auch das finde ich schon beedinruckend, denn viele verarbeitete Lebensmittel haben diesen in sich, ohne, dass das Endprodukt an sich etwas Süßes sein muss.

Gesundheitlicher Aspekt

Mein einziges WIN im Zusammenhang mit Zuckerverzicht, könnte ich mir vorstellen, wäre, dass ich eventuell weniger Kopfweh bekomme. Die sind zwar meist von Verspannungen, aber auch Lebensmittel als Ursache können nicht ganz ausgeschlossen werden. Bei Migräne z.B. ist es sinnvoll, zu analysieren, ob Schokolade schuld dran ist. Ich brauche weder den berühmten Glow, noch will ich dadurch abnehmen. Aber die Idee, von Zucker unabhängig zu sein, die reizt mich sehr. Denn ich sehe das schon als eine Spirale, nur ein bisschen Zucker geht nicht, sonst zieht dich der Strudel wieder runter. Dass Zucker auch für andere Krankheiten begünstigend sein kann, ist ja auch allgemein bekannt. Das zu vermeiden, wäre natürlich auch attraktiv. Sarah Wilson selbst wurde krank, bevor sie auf Zucker verzichtete, Basedow’sche Krankheit und Hashimoto, beides habe ich nicht. Für sie linderte der Zuckerverzicht ihre Symptome bzw. ließ sie verschwinden. Ich lebe mit Endometriose, bei der auch eine vegane Ernährung vorteilhaft ist, und bei der das Essen (auch der Zuckeranteil) insgesamt die Symptome verbessern oderverschlimmern kann. Dass die Autorin schon vor dem Zucker-Aus sehr auf GESUND Wert gelegt hat und das auch im Intro stark tut, übersehe ich ein wenig, da ich finde, es muss nicht immer alles supergesund sein, was ich esse und schreibe das auch niemandem vor.

Das Buch mit “veganisiert”

Von den 108 Rezepten sind wenige ohne Anpassungen vegan, aber die meisten meines Erachtens veganisierbar. Wobei ich dann schwer beurteilen kann, was das für die Gesamtkomposition der Gerichte bzgl. Nährwert bedeutet. Das übersteigt meine ernährungswisschenschaftlichen Kenntnisse. Wir erleben in dem Buch vor allem australische Küche, aber die Zutaten sind nicht schwer zu erhalten.

Eyecandy, ganz ohne Zucker!

Was das Layout angeht: ich bin verliebt! Das ist so hübsch! Schnörkelig, clean, bunt, tolle Illus, alles zusammen stimmig und wertig. Da das Buch broschiert ist und nicht gebunden, ist es auch noch ein Preishit mit 12.99 für ein Buch, das auch locker das Doppelte kosten dürfte. Foodfootgrafie von bestem Level, die Arrangements sind wirklich mundwässernd.

Nun geht es ans Eingemachte

Die Zucker-Sucht muss durchbrochen werden, daher empfielt Sarah Wilson ganze 8 Wochen strikt ohne Zucker. Das ist natürlich echt nicht ohne. Sie selbst lebt heute mir circa 8 Löffeln Zucker am Tag. Zuvor waren es 25 und sie hat schon sehr wenig konsumiert. Das machte mich schon kurz nachdenklich. Außerdem nervt es mich wirklich, nach herzhaftem Essen IMMER etwas Süßes zu brauchen. Richtig zu brauchen. Seit ich Veganerin bin, also gut 7 Jahre jetzt, habe ich ja nicht mehr das Problem von früher, dass ich viele industriell hergestellte Light-Produkte konsumiert habe. Dass darin mehr Zucker war, um das fehlende Fett zu kompensieren, ist auch ein Thema bei Sarah.

Flüssiger Zucker

Thema versteckter Zucker: Ich trinke leider auch gerne mal Limo oder Cola aus dem Bioladen. Die schmecken mir inzwischen besser als die konventionellen mit den großen Namen. Aber ich trinke sie sehr gern, trotz Zuckergehalt (oder vielleicht deswegen?!) 🙂 ich kenne einige Leute, die (ob edge oder nicht), versucht haben, mal mehr mal weniger hart, mal mehr mal weniger lange Zeit, nur von Wasser zu leben. Mit und ohne Blubber. Schwer.

8 Wochen Experiment…ja oder nein?

Vielleicht. Ha! Nein, ernsthaft. Eventuell mache ich das doch mal. Weil ich so neugierig bin. Kürbis-Amaranth-Porridge, Kokosgranola, Chiapudding, Frittatini, Blinis, Smoothies, Fenchelsuppe ohne Pancetta, warmer Sprossensalat oder Pilzpfanne kann ich alle vegan zubereiten. In meine Frikadellen käme kein armes Hühnchen, sondern schmerzfreie Bohnen, an denen ist ja auch kein Zucker dran (hoffe ich). Gar nicht so leicht. Sollte ich es wagen, werde ich an dieser Stelle darüber berichten!

Disclaimer: Essgestörte (egal, ob trocken, chronisch oder akut) sollten natürlich mit solchen Einschränkungen, bei denen eine Zutat so stark ausgeklammert wird, vorsichtig sein. Im Artikel über Essstörungen und Veganismus gehe ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen da näher drauf ein.

 

 

Das schreibt der Verlag:

Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen
Mit 108 Rezepten

Jeder kennt ihn, diesen Heißhunger auf Süßes: ruckzuck ist statt einem Stückchen Schokolade gleich die ganze Tafel weg. Wie man sich vom Zucker und seinen Tücken befreien kann, verrät uns die Australierin Sarah Wilson mit ihrem einfachen 8-Wochen-Entzuckerungsprogramm. Auf dieses Buch haben viele gewartet, denn die trendigen Rezeptideen mit vielen süßen Alternativen stehen ganz unter dem Motto: Naschen erlaubt – – aber gesund und mit Spaß!

 


KAT

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My kind of music, my kind of life. 2009 fand mich der Veganismus. Beste Wahl. Straight Edge bin ich, seit ich 16 bin. Against the grain. Poesie produziert mein Hirn auch ab und zu. Für Feminismus und gegen Nazis. An Alle, die überlegen, auch etwas DIY aufziehen: einfach machen. All das mache ich, weil ich dachte: Ich kann das auch.