Am 08.11.13 machte ich mich mit einem Freund auf den Weg nach Stuttgart um unsere Punkerhelden von früher zu interviewen.
Angekommen und nach kurzem Security Check gings Backstage zu den Hauptstadt-Punkern. Freundliche Begrüßung + alkoholfreies Bier inklusive. Grüße gehen auch raus an Berlin Straight Edge. Immer am Start. Nun zum Interview mit einem bestens gelaunten Yoshi!

Yoshi sitzt mir gegenüber und der Smalltalk beginnt. Erstmal möchte ich etwas über die Resonanz vom neuen Album erfahren. Völlig überrascht über eine so kreative Frage legt er gleich mal los: “Wir sind super zufrieden mit unserem neuen Album! Sogar eine Chart-Plazierung gabs. Platz 57 und sogar die “Visions”, die uns immer scheiße findet, hat 7 von 10 Punkten vergeben. Was uns aber viel wichtiger ist, bezüglich Resonanz, ist die Meinung unserer Freunde und befreundeten Bands, statt das was irgendwelche Musikmagazine schreiben. Hier war das Feedback auch super!”
Na hör sich das mal einer an. Jetzt interessiert mich natürlich der Inhalt des Meisterwerkes. Zum Beispiel der favorit Song. Und promt gibts die Antwort. “Unser Schiff! Der Song beschreibt ziemlich gut, was für uns wirklich wichtig ist: Das Unterwegssein mit Freunden, das Leben im Tourbus, der Zusammenhalt in der Musik, der politische Aspekt und auch ein wichtiges Kriterium: Der Song funktioniert live super!”
Und der Unterschied zu den vorherigen Alben wie “Discontent Hearts and Gasoline”, “From Protest zu Resistance” oder “Riot Radio”. Erstere kam 2006 raus. Der Fokus der politischen Problematik war damals  der G8-Gipfel in Heiligendamm (we will stop you) oder die Gründung von Kein Bock auf Nazis (Wenn so viele schweigen, müssen wir noch lauter schrei’n).
“Es wurden sehr viele Themen aufgegriffen. Es ist alles bunt gemischt. Aber es ist auf jedenfall schneller geworden. Ehrlich und auf den Punkt. Ich finde es teilweise nervig an Bands, wenn viel um den heißen Brei herum geredet wird. Was uns sehr wichtig war, war eine vernünftige Covergestaltung. Dafür wurde sehr viel Zeit investiert. Am liebsten wäre es mir wenn die Kids sich mit den Songs auseinandersetzen anstatt das Album herunterzuladen. So etwas gehört zu der Unterstützung von Band eben auch dazu.” Okay, genug vom Album. Was sagst du zu den Entwicklungen in Scheeberg, Hamburg, Duisburg oder Berlin bezüglich Bürgermob vs. Flüchtlinge?
“Erstmal muss man sagen, das Hamburg oder Berlin ein Witz ist, im Gegensatz zu Schneeberg. In Berlin und Hamburg gibt es eine riesige Zivilgesellschaft von Gewerkschaften, Kirchengruppen gegen Rassismus bis hin zu sehr gut organisierten Antifagruppen. Ein rassistischer Bürgermob, der zusammen mit Nazis gegen ein Flüchtlingsheim demonstriert ist dort gut unter Kontrolle zu bekommen. In Schneeberg dagegen ist die Kacke richtig am Dampfen! Dort passiert das, was die Nazis überall wollen: Sie stehen vorne und das Volk steht dahinter. Dort zeigt der bügerliche Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft sein hässliches Gesicht. Ich zolle den Aktivisten, die sich diesen Menschen vor Ort in den Weg stellen größten Respekt. Wenn 400 Antifas sich bis zu 2000 Bürgern in den Weg stellen, von denen mindestens 300 bis 400 organisierte Nazis sind… Das ist ein Deja-vu der Geschichte. Es ist einfach beängstigend wie viele Facebookgruppen es gibt, die den Namen tragen: Nein zum Heim.  Man muss sich auch vor Augen halten, dass die NPD bei der vergangenen Bundestagswahl 1,3% geholt hat. In Prozent ist das ein Witz. In Zahlen aber sind das 600000 Stimmen. Das sind keine Protestwähler mehr. Das sind Stammwähler. 600000 riesen Arschlöcher!” Dem kann ich nichts hinzufügen. Man merkt, wie nahe Yoshi das Thema geht. Mir ebenfalls. Nun zu einem anderen Thema: Tierrechte. Spielt das weiterhin bei euch eine Rolle? “Na klar! Das ist ein punkrock-Ding. Das gehört einfach dazu. Sagen wirs mal so: Vegetarisch ist Pflicht – Vegan noch besser. Wer sich auch nur ein bisschen über so ein Thema informiert, weiß eigentlich was zu tun ist. Natürlich soll das jetzt nicht heißen, das jeder Vegetarier sein muss der auf ein ZSK Konzert will. Aber unsere Konzerte bieten auf jeden Fall ein Plattform sich mit anderen Leuten über so ein Thema auszutauschen.” So langsam geht das alkoholbefreite Bier leer und bevor ich auf dem Trockenen sitze, möchte ich noch folgendes von Yoshi erfahren: Warum sind Skateboards besser als Longboards und seit ihr euerer Skater-Attitude treu geblieben? “In Berlin kommen sich noch die Hipster mit ihren Longboards so verdammt cool vor. Pah! Skateboard + Punkrock ist ein Lebensgefühl. Unity! Wir waren früher sehr oft in den USA. Dort ist die Skateboardszene sehr viel besser vernetzt mit der Punkrockszene. Die Bullen werden gleichermaßen gehasst. Die Punks sind sehr viel cooler drauf. Es gibt keinen scheiß Lookismus. Punk ist das, was wir wollen. Und wir machen Skatepunk.” Und wo sind die roten Spikes? “Gegenfrage: wo sind deine roten Spikes? Das gabs nur für den Fame.” Und wie gehts weiter mit ZSK nach der Tour? “Och, erstmal entspannen und Pause 2014. Danach schauen wir mal”

erschienen in der ausverkauften Ausgabe 3, hier als Flip-PDF