Ich selbst hatte gestern mein 6-jähriges als Veganerin. ❤ auch bei mir gibt es regelmäßige Bluttests, Nahrungsergänzung seit 2 Jahren, kein nennenswertes "ich fühl mich körperlich so toll wie nie" aber auch kein "ich bin schlapp". Seit einem Jahr hab ich eine diagnostizierte Weizenallergie, damit zu leben, das war/ist noch tougher als vegan zu leben. Aber da ich kein tagelanges, stechendes Kopfweh haben will, verzichte ich lieber drauf. 😛
Ich bereue nichts und bin immer noch sehr dankbar wie zu Beginn, diesen Weg gezeigt bekommen zu haben. (kat)

Vegane Selbstversuche liegen im Trend. Deutsche Medien schicken ihre Journalist*innen reihenweise in vegane Supermärkte und lassen sie mit Mandelmus und Zucchininudeln experimentieren. Googelt man die Worte „vegan Selbstversuch“ erscheint eine Fülle von Artikeln die von 7-tägigen bis hin zu 6-wöchigen Selbstversuchen berichten. Die Resümees fallen dabei sehr unterschiedlich aus.

Unnatürlich, ungesund und teuer

Die einen sind begeistert und wollen dabei bleiben, die anderen wollen innerhalb weniger Tage einen körperlichen Leistungsverfall an sich beobachten und wieder andere vermissen Käse oder Wurst, empfinden die vegane Kost aber als willkommene Abwechslung. Punkte die auch immer wieder angeführt werden sind die Unnatürlichkeit der veganen Ernährung, die hohen Kosten und der Glaube, dass vegane Ernährung schlicht und ergreifend ungesund ist.

Mein Selbstversuch

Nun, da ich mich jetzt schon seit 6 Jahren vegan ernähre, möchte ich heute mal über meinen „Selbstversuch“ berichten und auf die Kritikpunkte der anderen Selbstversucher eingehen.

Beginnen wir mit der Frage, ob vegane Ernährung gesund ist. Da diese Frage äußerst unspezifisch ist, kann eigentlich auch nur eine unspezifische Antwort gegeben werden. Denn es gibt nicht DIE vegane Ernährung. Man kann sich ausgewogen und vollwertig vegan ernähren und lebt damit allgemein ziemlich gesund. Man kann sich theoretisch aber auch nur von Pommes, Chips und Limonade ernähren und lebt damit vegan – und zwar ziemlich ungesund.

Was kannst du dann überhaupt noch essen?

Ich persönlich habe mich ausgiebig informiert, nach und nach meine Ernährung umgestellt und würde meine Ernährung als vollwertige, ausgewogene vegane Kost bezeichnen. Dazu gehören viel frisches Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Pseudogetreide wie Amaranth und Buchweizen, Sojajoghurt, Reismilch, Nüsse, Samen und wenn ich Lust darauf habe auch mal Schokolade, Kuchen und Knabberkram. Außerdem nehme ich ein Vitamin B12 Supplement und betreibe regelmäßig Ausdauer- und auch Kraftsport.

Vor wenigen Tagen habe ich das Ergebnis meines Bluttests bekommen. Alle Werte, inklusive Vitamin B12, Eisen und Vitamin D, befinden sich in einem optimalen Bereich. Na, wer hätte das gedacht?! Und das bei 6 Jahren ohne Fleisch, Milch und Eier. Verrückt… oder?

Jeder muss auf sich und seine Ernährung achten

Wenn jemand unter einem Mangel an Nährstoffen leidet, sollte man die Ernährung im Detail betrachten und nicht kategorisch danach unterscheiden ob sie oder er vegan lebt oder nicht. Fakt ist, dass jeder Mensch auf seine Ernährung achten und sich informieren muss – egal ob Veganer*in, Vegetarier*in oder Mischköstler*in.

Dass eine Mischkost automatisch vor einem Mangel schützt und zu besseren Leistungen führt, ist ein Trugschluss. So ist Eisenmangel eine der weltweit häufigsten ernährungsbedingten Erkrankungen – auch in Industrienationen, die bekanntlich einen sehr hohen Fleischkonsum aufweisen (Fleisch = Eisen???). Ein weiteres Beispiel ist der Zusatz von Jod in unserem Speisesalz. Nahrungsmittel in jodarmen Regionen wie Deutschland können den Bedarf an Jod nicht decken, weshalb eine Jodierung des Speisesalzes notwendig ist. Ist das ein Grund, die Mischkost automatisch als unnatürlich zu bezeichnen? Nun, bei veganer Ernährung wird genau solch ein Zusatz von Vitaminen als „Gegenargument“ angeführt. Ich rede vom Vitamin B12.

Die Sache mit dem Vitamin B12

Vitamin B12 muss zum Beispiel in Indien von vegan lebenden Menschen nicht zusätzlich eingenommen werden, da Indien quasi eine Vitamin-B12-reiche Region ist. Durch die niedrigeren Hygienestandards in Produktion und Verarbeitung werden die Bakterien, welche das Vitamin B12 bilden, nicht abgetötet sondern mit der pflanzlichen Nahrung aufgenommen. Daher ist das Argument, eine vegane Ernährung sei als Dauerkostform nicht geeignet, da man Nahrungsergänzungsmittel nehmen muss nicht tragbar, da offensichtlich auch Mischköstler je nach Region nicht alle Nährstoffe abdecken können und auf Zusätze angewiesen sind.

Dieses Beispiel zeigt auch, dass eine vegane Ernährung in bestimmten Regionen der Welt auch völlig ohne Nahrungsergänzungsmittel möglich und daher ebenso natürlich ist. Wir in den westlichen Industrienationen sind bei einer rein pflanzlichen Kost auf Vitamin B12-Zusätze angewiesen, das macht diese Ernährungsform aber nicht mehr oder weniger natürlich als eine Mischkost da diese ebenfalls auf Zusätze angewiesen ist, wie das Jod-Beispiel belegt.

http://veggietale.de/ist-vegane-ernaehrung-gesund-ein-6-jaehriger-selbstversuch/