Mein erstes deutsches Magazin für frauenliebende Frauen war das L-Mag.

Es unterschied sich deutlich von allen Zeitschriften, die ich so kannte und wartete um 2004 herum eher mit DIY-Optik auf. Ich und meine lesbische Crew verschlangen es dennoch, hallo, ein Magazin nur für uns! Wie cool war das bitte? CURVE oder ADVOCATE waren schwer zu bekommen, allenfalls im spezialisierten Zeitschriftenhandel oder online auf ebay. Zwischen diesem Erlebnis und dem Durchbättern und Reinschmökern in STRAIGHT liegen nicht nur knapp 10 Jahre – sondern ganze Welten.

Wer in die heutige L-MAG reinlinsen möchte, kann das hier auf ISSUU tun:

Der Look ist ein wenig fortschrittlicher, aber immer noch hängt er meines Erachtens im EMMA-Gewand fest. Fachzeitschriften sehen oft so aus. Natürlich mit weniger Sextoys oder weniger Werbung, aber trotzdem. STRAIGHT ist da anders, das Layout ist da schon sehr hip, modern, clean. Ähnlich wie das von VEGAN GOOD LIFE übrigens. Damit stehen beide Nischenzeitschriften für trendige Vertreterinnen ihrer Zunft.

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Hip und gay wie die sympathisch daher kommende Redaktion ist, haben sie schon ihren eigenen Hashtag. Und um bei der Raute zu bleiben, gab es einen Spot mit Wirbel:

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Das Wortspiel mit dem Gegenteil zu “gay” bzw “lesbian” ist gelungen. Passt auf jeden Fall gut zum Blatt. Die Aufmachung ist sehr frisch und modern. Hier scheiden sich wahrscheinlich wieder die Geister, ob ein Magazin für lesbische Frauen spürbar anders aufgemacht sein muss/sollte als eines für Heteras. Für meinen persönlichen Geschmack ist es ein schickes Heft, cool designt, manche Artikel spannend, manche nicht so sehr. Es hat das Zeug zum Mainstream, und das ist vielleicht “auch gut so”. 😛

STRAIGHT – geraderaus meine Meinung!

Davon bitte mehr:

Psychologische Analysen wie die berühmten “Verstrickungen” in der kleinen Lesbenszene (wir nannten es ja “Rudelbums” :P)

Vegane Rezepte, es wird schon nett Rücksicht genommen

Interviews

Fotoporträts

Reisetipps

Arbeitsleben

Durchgelesen / Durchgehört

Davon gerne auch weniger:

Codes

Kinderwunschdiskussion

Modestrecken

Homestories

Bin schon auf das nächste Heft gespannt, werd ich mir auf jeden Fall holen. Als pansexuelle Leserin gehöre ich ja zum weiteren Spektrum, das die Redakteur_innen gerne ansprechen möchten 😉
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Da geht auf jeden Fall noch einiges. Die Fashionstrecke ist mir noch zu normativ, fast hetero-normativ, die Grafik zu Orange is the new Black vermischt leider die verschiedenen Stati der Charaktere in verschiedenen Staffeln. Da wäre ein Konsens zu einem gewissen Zeitpunkt weniger verwirrend gewesen. Der Artikel zur Serie ist aber gut gelungen und beleuchtet ein paar interessante Hintergründe.

Äußerlichkeiten

In letzter Zeit habe ich immer wieder den Diskurs zur Abwertung von Weiblichkeit und Aufwertung von Männlichkeit in der lesbischen Welt wahrgenommen, es ging dabei zum Beispiel um den Archetyp der Butch, wie der gleichnamige Charakter in der Serie Orange is the new Black, die ich auch im neuen Zine bespreche. Wie sehr dieser Druck gegen männlich wirkende Frauen ausgespielt werden kann, durchlebt Butch auch in der Serie, in einer emotionalen Szene greift ihr Techtelmechtel sie an, woraufhin sie ihr internalisierte Homophobie vorwirft. Heißes Eisen, größeres Thema, ich habe nie das Gefühl gehabt, dass butchige Frauen gerne Männer sein wollen. Sie wollen einfach sein, wie sie sind. Und da wäre mehr Diversität bei STRAIGHT durchaus angebracht, denn die jetzige Ausgabe ist schon sehr femme-lastig. 😉

Innere Werte

WHO THE FUCK IS ALICE? ist ein Interview mit Feminismus als Thema. Durch den Bezug zur re:publica und neuen Medien hatte mich dieser Artikel mit Beatrice Behn besonders interessiert, aber er touchiert die Thematik männlich/weiblich nur oberflächlich. Schade, da hätte ich gern weiter über den Tellerrand geblickt. Der Artikel hat mir nichts Neues erzählt, bis auf den Begriff “spornosexuell” 🙂

Meine Erfahrung im lesbischen Umfeld sind stets eher unfemnistische gewesen, denn Frauen für die die Anerkennung oder die Meinung von Männern generell (sexuell) unwichtig ist, und die aufgrund von nicht-hetero-normativem Äußeren auch nicht mit ihnen zu tun haben (es sei denn sie werden negativ öffentlich belästigt), existieren sie eher als Randerscheinung und nicht als permanenter Faktor in ihrem Leben. Dies ist aber nur mein subjektiver Eindruck. In meine Crew zurückversetzt kann ich mir vorstellen, dass die dieser Artikel eher weniger interessiert hätte…

Sehr schönes Extra ist die Playlist für Spotify, damit lässt sich easy neue Musik entdecken. Schließlich gibt es THE L WORD mit dessen großartigen Soundtrack ja nicht mehr 😛 Meine Favorites sind Nao, Hot Chip, Jamie XX, MS MR, FKA Twigs und Florence + The Machine. Sehr clubbig, sehr hip, gut für die nächste Laufrunde oder das Chillen am See. Mehr zu den Insights unter http://www.straight-mag.de //


KAT

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My kind of music, my kind of life. 2009 fand mich der Veganismus. Beste Wahl. Straight Edge bin ich, seit ich 16 bin. Against the grain. Poesie produziert mein Hirn auch ab und zu. Für Feminismus und gegen Nazis. An Alle, die überlegen, auch etwas DIY aufziehen: einfach machen. All das mache ich, weil ich dachte: Ich kann das auch.