In Berlin warten Flüchtlinge vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales. (Foto: Stefanie Loos/Reuters)

Aus dem Tweet von @riotbuddha

Ich habe gerade Strafanzeige gegen @MarioCzaja wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet.

© AFP Hunderte von Flüchtlingen warten auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Berlin-Moabit auf Hilfe der Behörden.

Zwei Aktivistinnen, die nicht untätig bleiben wollten, habe ich gebeten, uns von ihrem Einsatz für die Flüchtlinge von Berlin-Moabit, national bekannt unter dem Schlagwort LaGeSo, zu berichten. Dies sind ihre Worte, nach vielen Tagen Hilfe, Last und Verzweiflung.

Danke dafür.


Die Stimmung ist angespannt. Vor dem Landesamtes für Gesundheit und Soziales stehen

mehrere hundert Geflüchtete bei 38 Grad in der Schlange und warten auf ihre

Registrierung, viele von ihnen seit Tagen.

Wasser und Nahrung sind Mangelware. Dies ausreichend zur Verfügung zu stellen,

erachtet die Behörde als nicht nötig. Ein einziger Wasserhahn in der Mitte des Geländes muss reichen.


Seit Tagen campieren die Geflüchteten auf dem LaGeSo- Gelände oder in dem

umliegenden Parks unter unmenschlichen Bedingungen.

Viele Geflüchtete leiden noch unter schweren Traumata oder physischen Verletzungen.

Trotz dringendem Bedarf nach medizinischer und seelischer Hilfe, sind weder Ärzte noch

Seelsorger anwesend. Hilfe vom Senat ist nicht in Sicht. Während Sozialsenator Czaja

Anfang August seinen Jahresurlaub genießt, opfern diesen viele freiwillige Helfer*innen,

um den Geflüchteten zu helfen.


Nach mehreren Wochen ohne jeglicher humanitärer Versorgung, sind seit Anfang August

die freiwilligen Helfer+innen unter der Koordination von „Moabit hillft“ auf dem Gelände.

Von früh bis spät in die Nacht sind die Helfer*innen am LaGeSo. Die humanitäre Hilfe liegt

komplett in den Händen von Privatpersonen, die nicht nur ihre ganze Zeit und Kraft,

sondern auch eigene finanzielle Mittel investieren. Zahlreichen Wasserspenden von

Privatpersonen und Firmen, ermöglichen das Verteilen von Wasserflaschen. Doch die Hilfe

der Freiwilligen ging und geht immer noch weit über dies hinaus. Über Spendenaufrufe

werden täglich Nahrungsmittel und andere Sachspenden, wie Klamotten und

Hygieneartikel, von Berliner*innen ans LaGeSo gebracht.


Ebenso geht es den freiwilligen Helfer*innen in den beiden Notunterkünften in Karlshorst

und Wilmersdorf.

Zusammen mit dem vom LaGeSo beauftragen DRK wurde in kürzester

Zeit eine Unterkunft in Karlshorst für bis zu tausend Geflüchtete errichtet. Feldbetten

wurden in die leeren Zimmer des ehemaligen Telekom-Gebäudes getragen und aufgebaut.

Des Weiteren wurde eine Spendenannahme/ -ausgabe sowie eine Kantine eingerichtet.

Rasch füllte sich auch hier die Spendenkammer mit Klamotten, Hygieneartikeln,

Spielzeug, Decken und sonstigem Bedarf. Ehrenamtliche Helfer organisieren die

Verteilung der Spenden, die Essenausgabe, die Kinderbespaßung, begleiten die

Geflüchteten auf ihre Zimmer und koordinieren sonstige Problemlösungen. Jedoch gibt es

Probleme, die die Helfer*innen vor Ort nicht bewerkstelligen können. Tausend Geflüchtete

müssen sich vier Duschen teilen. Dazu kommt der herumliegende Müll, der durch die nicht

vorhandenen Mülltonnen entsteht. Nicht abschließbare Zimmer ermöglichen zudem keine

Privatsphäre.


Auch in der Notunterkunft in Wilmersdorf das gleiche Procedere.

Unter der Leitung des ASB musste innerhalb kürzester Zeit eine Unterkunft errichtet werden.

Obwohl schon eine Woche vorher klar war, dass dieses Gebäude als Notunterkunft für Geflüchtete

dienen soll, fing man erst am selben Tag an die Unterkunft mit Betten etc. herzurichten, an dem

auch die ersten Geflüchteten dort einziehen sollten. Da der ASB die anfallenden Aufgaben

nicht alleine bewältigen konnte, war auch hier die Hilfe von Freiwilligen dringend

notwendig. Während die Notunterkunft hergerichtet wurde, warteten bereits die ersten

Geflüchteten auf ihre Aufnahme. Bedingt durch das zeitintensive Aufnahmesystem,

mussten die Geflüchteten noch Stunden nach ihrer Ankunft draußen auf dem Boden

warten, auch Kinder und Kranke. Der letzte Geflüchtete wurde erst in den frühen

Morgenstunden aufgenommen. Die Helfer*innen kümmerten sich darum, dass die

Geflüchteten mit Essen und Trinken versorgt wurden. Das Essen wurde dankbar

entgegengenommen.


Da das Gebäude zuvor als Bezirksamt diente, waren auch hier keine

Duschmöglichkeiten vorhanden.

Erst vier Tage später wurden mobile Duschzelte im Innenhof des Gebäudes aufgebaut.

Doch damit sind nur wenige vor Ort erlebten Probleme

genannt. Und tägliche tauchen neue kleinere und größere Hürden auf.

Wir waren die letzten Tage fast täglich in den Unterkünften vor Ort und haben viel erlebt

und gesehen. Wir sind, wie viele andere Ehrenamtliche auch, von der Hilfs- und

Spendenbereitschaft der Berliner*innen überwältigt. Die Hingabe und Menschlichkeit

berührt uns sehr. Fakt ist aber, dass die Hilfe auf Dauer nicht mehr von Privatpersonen

getragen werden kann. Nicht nur, dass es uns an Zeit, Geld und Kraft mangelt, auch die

psychische Belastung ist enorm. Was die Helfer*innen täglich vor dem LaGeSo und in den

Notunterkünften erleben, geht nahe und ist schwer zu verarbeiten. Wir sind für viele

Geflüchtete die Ansprechpartner und entwickeln persönliche Bindungen zu ihnen. Selbst

wenn man nicht dort ist,  ist man mit den Gedanken bei den Menschen in der Unterkunft

und kann ich schwer davon loslösen.


Die Anzahl der zu erwartenden Flüchtenden ist der Regierung nicht unbekannt und

Menschen flüchten nicht erst seit gestern. Trotzdem hat Berlin zu lange geschlafen und

bringt die Geflüchteten durch menschenverachtende Asylpolitik in diese katastrophalen

Situationen. Es wird Zeit, dass der Senat sich seiner Verantwortung bewusst wird und

endlich einschreitet.

C. und J.

Unter den Flüchtlingen auf dem Gelände des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales sind viele Kinder Foto: AFP
Die Flüchtlinge warten teilweise tagelang auf dem Lageso-Gelände Foto: AFP
Flüchtlinge warten vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin.Foto AFP

KAT

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My kind of music, my kind of life. 2009 fand mich der Veganismus. Beste Wahl. Straight Edge bin ich, seit ich 16 bin. Against the grain. Poesie produziert mein Hirn auch ab und zu. Für Feminismus und gegen Nazis. An Alle, die überlegen, auch etwas DIY aufziehen: einfach machen. All das mache ich, weil ich dachte: Ich kann das auch.

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