“100% DIY VEGAN FOOD STRAIGHT OUTTA KRONACH!”

Wie kam es dazu, wer kocht mit und wo & wie oft findet das ganze statt?

Wie alles angefangen hat war eigentlich ziemlich unspektakulär. Zu Beginn haben wir uns in einer Facebookgruppe Namens „Vegetarisch überleben in Kronach“ kennengelernt. Wobei kennengelernt schlecht passt, da sich viele vom Sehen kannten und einige schon miteinander befreundet waren, da es neben der einen Gemeinsamkeit auch noch andere Überschneidungen gab. Das war vor circa. 5 Jahren und ein Teil unserer Gruppe war zu dem Zeitpunkt gerade mal 14 – 15 Jahre. Wir waren alle noch sehr jung und etwas unorganisiert. Seitdem haben wir natürlich viele Prozesse durchlebt und Veränderungen durchgemacht. Auch haben uns immer mal wieder Mitglieder verlassen und neue kamen hinzu.

Im Moment besteht unser Team aus Nat, Bruno, Tina, Fabi, Kadda, Joni, Anna, Fabo, Änsn, Münz, Julia und ein paar weiteren helfende Händen, die ab und zu mit in der Küche stehen. Ein gemischter Haufen der Lust hat etwas zu machen und auf die Beine zu stellen, da es in Kronach wirklich nichts gibt/gab, um sich als alternative Jugendliche mal zu treffen, zusammen abzuhängen und dabei etwas vegetarisches/veganes zu essen.

Als Location kam das JuZ Struwwelpeter in Frage. So etwas wie einen Freiraum oder ähnliches gibt es bei uns nicht. Zum Glück hatten wir schon ein bisschen Kontakt mit den Leuten vom JuZ und die fanden die Idee super und zack hatten wir schon eine mega Küche zum werkeln. Nach einigen Treffen haben wir uns dann gemeinsam darauf geeinigt, das Ganze jeden ersten und dritten Sonntag im Monat zu machen, da es für manche unter der Woche doch eher schlecht war und wöchentlich doch eine zu große Herausforderung darstellte. Da würde ja auch der Spaß auf der Strecke bleiben und das wäre genau das Gegenteil von dem, was wir wollen. Dazu kommt noch, dass wir ab und an auf Konzerten im JuZ oder auf dem Festival „Die Festung Rockt“ kochen.

Wie würdet ihr Kronach in der Zugänglichkeit für veganes Essen und vegane Lebensweise einordnen? Eher Kaff oder aufgeschlossen?

Super Frage 😀 Definitiv Kaff, aber mittlerweile ein recht aufgeschlossenes Kaff. Es gibt schon ein paar Gastwirtschaften in dem mensch extra vegane Gerichte bekommt. Die liegen allerdings meist außerhalb der Stadt. In Kronach direkt hinken die Bistros und Cafés noch etwas hinterher. Hier liegt die Wahlmöglichkeit zwischen asiatischen Essen, Pommes, Salat oder Falafel ohne Soße. Von den Zwei Eisdielen die es gibt, hat eine diesen Frühling angefangen das Sorbet als vegan zu deklarieren und sogar eine vegane Mandelmilchsorte herausgebracht.

Wir hoffen natürlich, dass wir einen Beitrag dazu geleistet haben, die Themen Tierrechte und Veganismus in Kronach etwas zu pushen.

Wo kann mensch noch vegan was mampfen bei euch in der Gegend?

Wie bereits genannt, ist es möglich in einigen Gastwirtschaften was zu bekommen, aber in Cafés, Bistros und Kneipen wird es wirklich schwer. Und genau da kommt das Kaff wieder kräftig zum Vorschein. In einem Teil der Gastwirtschaften müsste neben ausgestopften Tieren gegessen werden, also fällt das auch flach… Naja, zum Glück gibt’s ja uns, haha!

Wie seid ihr mit dem Thema Veganismus in Berührung gekommen? Und was hat euch dazu inspiriert, eine Vokü auf die Beine zu stellen?

Da könnte natürlich jede*r von uns seine eigene Story erzählen. Aber im Großen und Ganzen haben sich alle natürlich mit der Thematik auseinandergesetzt und die Richtigkeit dahinter entdeckt. Alle in der Gruppe sind natürlich nicht vegan, jedoch haben durch das zusammen Planen, Kochen und natürlich der mehr als freundschaftliche Umgang miteinander viele ihre Standpunkte verändert und haben den Veganismus immer mehr im Fokus. Deshalb steht unsere Küche bewusst auch für Alles-Esser*innen offen.

Und auf die Idee sind wir dadurch gekommen, dass es in der Nachbarstadt Coburg bereits so etwas gab, wir sowieso aktiv werden wollten und uns dachte: „Hey, das können wir auch!“

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Wie steht ihr zu dem aktuellen Vegan-Hype und damit einhergehendem Personenkult und Körperfetischisierung (Vegan For Fit etc.)?

Wir haben einen Hildemann-Pappaufsteller in der Küche stehen!

Nee, das ist natürlich Quatsch. Dem steht die Gruppe natürlich schon kritisch gegenüber. Die Meinungen gehen dabei auch auseinander, da es ja einerseits gut ist, dass dieser Hype wenigstens den Veganismus in die Köpfe der Menschen gebracht hat, was bis dato v. a. im ländlichen Raum (wie bei uns) nicht der Fall war. Andererseits reduziert der Hype den Veganismus auf eine Diät und verliert dadurch komplett seinen tierrechtlichen Charakter. Davon halten wir natürlich sehr wenig. Tierrechte ist für uns ein ebenso relevantes Thema wie die vegane Lebensart und für uns definitiv unzertrennlich. Außerdem halten wir wenig von Körperfetischisierung, sonst würde es nicht regelmäßig Junk-Food wie Pizza, Burger, „Mozza“-Sticks oder Crispy Chicken geben.

Ihr habt uns schon Bilder von Sushi und Schnitzel gesehen, ihr kocht Gulasch und Burger, und natürlich auch Süßes! Wie war das Feedback bisher auf die angebotenen Leckereien von den hungrigen Leuten, die vorbei kommen?

Eigentlich immer positiv, naja fast immer… Es kamen auch schon Leute vorbei, die sich zunächst über die Tatsache gefreut haben, dass es endlich mal etwas veganes gibt, aber dann ganz traurig wieder verschwunden sind, da das Essen Gluten oder zu viel Zucker enthielt. Und das nicht aufgrund von irgendwelchen Unverträglichkeiten, sondern weil sie ein gesundes veganes Essen erwartet haben.

Oft bringen einige der Gäste auch mal ihre Eltern mit, die dann ganz erstaunt sind, dass Langos, Rollbraten oder Spätzle auch vegan super schmecken. Das freut uns natürlich sehr und gibt Energie für Neues.

Woher holt ihr euch die Ideen und wo gibt es noch Luft nach oben zur eigenen Verbesserung?

Wir kochen viele klassische Gerichte, wie Curry, Chili, Gulasch und ähnliches. Allerdings kochen wir auch gerne mal das nach, was bei den Alles-Esser*innen gerade so angesagt ist. Ein super Beispiel ist der Pizza- Burger. „Mega-Macho Werbung, aber… das müssen wir ausprobieren!“ – gesagt, getan! Also gab’s dann auch irgendwann einmal vegane Pizza Burger zum Patriachat smashen. Kam auch super an und es wurde sogar behauptet, dass unser Burger besser geschmeckt hat, als das Original.

Jedes Halbjahr versuchen wir, den ganzen Trupp zusammen zu bekommen, um neue Ideen zusammen zu spinnen. Dabei kommen auch oft recht kreative Ideen raus, wie Nudeln kotzende Helloween-Paprikas.

Kochtechnisch und am Spaßfaktor wüssten wir keine Verbesserung. Die Stimmung ist immer bestens, die Orga läuft mittlerweile auch problemlos, das Essen schmeckt und es bleibt so gut wie nie etwas übrig, die Gäste spenden so fleißig, dass wir regelmäßig große Beträge weiter spenden können – besser könnte es nicht laufen. Eine bessere Vernetzung mit anderen Vokü’s/Küfa’s wäre vielleicht noch ganz sinnvoll.

Wer hat die Shirts gemacht und bekommt die nur die Crew zum representen?

Also die Schweinchen hat Tina gemalt und Fabi hat das Ganze zu einem Logo gebastelt und druckreif gemacht. Bis jetzt ist das noch ziemlich intern, haben auch schon mal überlegt welche für die Allgemeinheit raus zu hauen. Aktuell haben wir schon verschiedene Sticker, mal schauen ob wir die Merch-Maschine mal wieder anschmeißen.

100% DIY kann manchmal auch daneben gehen, gerade finanziell, seid ihr da zuversichtlich?

Am Anfang mussten wir natürlich sehr darauf achten. Die erste Vokü hatte auch noch einen Festen Preis von 2,50€, um uns sicher zu sein, dass wir nicht gleich ins Minus geraden. Danach konnten wir immer auf Spende kochen und das klappt seit dem problemlos. Wir haben auch genug Geld, um das überschüssige zu Spenden z. B. an die Tierbefreier, Animal Equality, lokale Projekte und des öfteren für geflohene Menschen in unserer Region, was uns aktuell besonders wichtig ist.

Verratet uns doch mal ein Liebslingsrezept von euch!

An sich kochen wir sehr selten nach Rezept, aber was wir regelmäßig machen ist unsere Special-Marinade für Sojafleisch:

Für 4-5 Steaks
100 ml Rapsöl
3 TL Paprikapulver
2 Gehackte Knochblauchzehen
1 TL Kreuzkümmel
3 TL Senf
2 TL Rosmarin
2-3 Spritzer Agavendicksaft
2 TL Sojasauce

Alles vermischen und die Steaks einmarinieren!

Was läuft denn momentan zum Kochen in der Küche?

Minority of One, MF Doom, Moscow Death Brigade, Kenny Kenny Oh Oh, Sum41, RVIVR, Die Bullen, Saves the day, NOFX, Wu Tang, Gorilla Buiscits. Also alte und neue Sachen, von allem ein bisschen. Beim Putzen braucht’s jedoch schon mal 80/90er, um motiviert zu bleiben … oder Schmutzstaffel!