Unserem Aufruf sind binnen einer Woche bereits Einige gefolgt. Das hier sind ihre Geschichten.

Wir haben uns Beratung geholt, inwiefern wir die Erzählungen in ihrer ursprünglichen Form darstellen können. Explizite Beschreibungen, die eine sog. Elendspornografie auslösen könnten, haben wir entfernt, falls es in euren Texten welche gab.

Handreichung von kleiner drei zu Sexualisierter Gewalt:
http://kleinerdrei.org/2016/06/ein-faq-ueber-sexualisierte-gewalt-in-deutschland/


(CW: V*, Darstellung von sexueller Gewalt/V*.)

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Oktober 2013. Samstagabend. Ich hatte starke Magenschmerzen, weshalb ich mich mit dem Bus auf den Weg ins Krankenhaus machte. Die Bushaltestelle war nur wenige Gehminuten vom Krankenhaus entfernt. Hinter mir liefen drei junge Männer, die mir hinterher riefen, die ich aber ignorierte. Ich merkte, dass ihre Stimmen immer lauter wurden. Ich versuchte schneller zu gehen, aber es gelang mir nicht aufgrund meiner starken Schmerzen. Ich ignorierte sie weiter, aber dann merkte ich auch schon schnell, dass sie direkt hinter mir waren und mich überholten und einkreisten. Sie bremsten mich aus und ich blieb stehen. Ich sagte ihnen, dass ich auf dem Weg ins Krankenhaus bin und starke Schmerzen habe und dass sie mich doch bitte in Ruhe lassen sollen. Sie hörten nicht. Sie lachten. Sie schlugen mich. Ich fiel auf den Boden und ab da an ist alles wie in einem Film abgelaufen. Als sei ich nur als Gafferin dabei gewesen. Sie vergewaltigten mich nacheinander und verwendeten Stöcke und verspotteten mich. Ich wurde ohnmächtig. Stunden später wurde ich wach, ging ins Krankenhaus und wurde behandelt. Als die Polizei dazu kam, gab die Polizistin mir den Rat, dass ich die V* nicht zur Anzeige bringe, da es für mich nur eine psychische Belastung wäre und ich sowieso keine Chance hätte auf einen erfolgreichen Prozess. Vermutlich hatte sie recht. Leider. Ich habe keine Anzeige erstattet und leider noch heute an den Folgen – sowohl körperlich als auch seelisch.


Für mich war sie zu diesem Zeitpunkt meine beste Freundin, wir kannten uns ein paar Monate, aber konnten offen miteinander umgehen. Ich konnte mit ihr über alles reden, anders wie mit meinen Altersgenoss*Innen zu diesem Zeitpunkt (ich war 17) und so fühlte mich in ihrer Gegenwart sehr wohl, schenkte ihr mein Vertrauen und schlief auch im selben Bett mit ihr. Auch körperlich gingen wir offen miteinander um, küssten uns – ohne emotionale oder andere Hintergedanken.
Eines Nachts wachte ich auf und fand sie mit meinem Geschlecht beschäftigt, ich sagte nichts, hoffte darauf das ich gleich komme und es somit vorbei wäre. Ein Mann sagt schließlich nicht Nein bei soetwas. Das ist doch unmännlich, was soll man da von einem halten? Doch so sehr ich mich unter Druck setzte, konnte ich nicht kommen. “Fick mich” sagte sie. Jetzt Nein sagen? Als Mann doch nicht. Wie steht man denn dann da? Hoffentlich komme ich wenigstens schnell. Doch nicht einmal das passierte. Irgendwann entschuldigte ich mich auf die Toilette.
Ich dachte, vielleicht könnten wir darauffolgend einfach wieder Freunde sein. Einen Monat reagierte sie aber weder auf SMS oder Anrufe, sie hätte ein Halsentzündung gehabt und könnte deshalb nicht auf meine SMS antworten. Ich fühlte mich benutzt und war enttäuscht. Bis heute weiß ich nicht wie ich damit umgehen soll.


Es war meine erste feste Beziehung und sie sollte 6 Jahre andauern. Ich habe in dieser Zeit meine ersten sexuellen Erfahrungen gemacht Für mich war es normal dass wenn mein Freund Sex wollte, ich es auch wollte. In Wirklichkeit wollte ich es nicht und mein Körper hat sich auch dagegen gewährt. Umso schmerzhafter war es mit ihm zu schlafen. Er hat es gemerkt und es war ihm egal. Es ist auch mehrmals vorgekommen dass er mir vorgeschlagen hat, er möchte nur kurz zum Orgasmus kommen und dann lässt er mich auch wieder in Ruhe. Ich hab dann einfach dagelegen, während er in mir gekommen ist oder er hat sich nur an meinem nackten Körper gerieben. Ich wusste es nicht besser und ich wusste auch nicht wie sich ein Orgasmus anfühlt. Ich dachte einfach dass es so sein muss.


Mein allererster Freund, mit dem ich auch Sex hatte, ließ wochenlang nicht locker und irgendwann fühlte ich mich genötigt, dazu, ihn “ranzulassen”. Auch danach war er oft sehr hartnäckig, sehr ignorant, ob ich es nun wollte, ob ich auch erregt war, ob ich einfach nur wartete, bis er “fertig war”. Ich mochte Sex, aber eben nicht immer, und wenn ich das Vertrauten erzählte, klang immer unterschwellig mit, dass ich ja selbst schuld bin, wenn ich nicht deutlich abwehre. Dann ist es ja von mir genehmigt. Nein.


Ich habe mir früher schon oft die Frage gestellt wo sexuelle Belästigung anfängt…für mich habe ich es sehr schnell festgestellt. Unangenehme Berührungen und herabwürdigende Äußerungen über den Hintern und Brüste, die mich und auch andere Frauen treffen ist definitiv ein Anfang. Ich habe unzählige Abende hinter mir an denen es für Typen okay war mich anzufassen oder über meine Brüste zu philosophieren….mit diesen Dingen und Äußerungen bin ich aufgewachsen, da ich schon sehr früh große Brüste hatte. Und irgendwie war es für alle okay darüber zu reden…eben nur für mich nicht.

Selbst wenn man sich auf einen Typen einlässt der anfangs auch nett und höflich ist mutieren anscheinend einige im Bett doch zum Tier…grade hier musste ich feststellen, dass es Männer gibt die dann keine Grenzen mehr kennen. Liegt man einmal nebeneinander im Bett ist es ein Freifahrtsschein bei dem selten ein “Nein” oder “ich brauche Zeit” akzeptiert wird.

Die Sache die mich jedoch am meisten getroffen hat war eine Beziehung über 2 Jahre mit körperlicher und vor allem psychischer Gewalt…ein Teufelskreis aus dem man nicht herauskommt. Isolation von Freunden und Familie, totale Veränderung meines Ichs und eine gewisse Abhängigkeit meines Gegenübers waren nur der Anfang.
Stellt sich für viele die Frage warum man da überhaupt hineingeraten kann…ganz ehrlich…Ich weiß es nicht. Vllt der Glaube an die Liebe oder ich bieg mir den schon zurecht…eins ist sicher man merkt es erst wenn es zu spät ist. Cholerische Anfälle und Beleidigungen als “fette sau” gehörten zu meinem Alltag. Mir hat sich so oft der Magen umgedreht wenn ich den Schlüssel ins Schloss steckte weil ich nie wusste welche Laune mich erwartet bzw wie schnell sie umschlägt…

Ich war früher sehr charakterstark und bin es heute zum Glück auch wieder. Aber es war ein harter Kampf. Den allerdings keiner allein führen muss!!!


Ich war Mitte 20. Mein fester Partner wollte Kerzenwachs auf meiner Haut. Ich sagte Nein. Er wollte, dass während dem Sex zusätzlich zu ihm noch ein Vibrator in mir ist. Ich sagte Nein. Obwohl es mir wehtat und ich das auch sagte, wollte er sein Intimpiercing nicht entfernen. Ich fügte mich, weil ich dachte, “Du kannst ja nicht zu allem NEIN sagen.” Zum ersten Mal mit ihm hatte ich auch nicht Nein gesagt, weil ich gemocht werden wollte. Es war eine auf vielen Ebenen toxische Beziehung, die viel in mir kaputt gemacht hat. Mich sexuell zu fügen war auch oft eine “Wiedergutmachung” dafür, seinem körperlichen Idealbild nicht zu entsprechen. Für irgendwas musste ich ja “gut” sein.


Ich bin nun fast 32 Jahre alt. Viele Frauen in meinem Alter können auf eine ganze Palette von Situationen zurückblicken, in denen sie Erfahrungen mit Sexismus, sexualisierter und sexueller Gewalt machen mussten.
Meine persönliche Palette beginnt am Straßenrand. Schon oft wurde versucht, meine Aufmerksamkeit mit diversen Zisch- und Klicklauten ins Cockpit eines Kleinlasters zu lenken. Oder in den Graben einer Baustelle. Oder hinter den Bauzaun. Oder in das BMW-Bonzen- Cabriolet für dessen Fahrer mein Dasein gerade gut genug ist, um die Langeweile an der roten Ampel zu überbrücken. Es ist alltäglich. So alltäglich, dass ich mich bei Pfiffen und Schnalzen schon automatisch angesprochen fühle, um dann erleichtert festzustellen, dass doch nur ein Hund hinter mir gemeint war.

Die Palette geht weiter mit dem Antanzen von hinten, mit plötzlichen Kussversuchen, mit dem natürlich rein zufälligen Berühren meines Hinterns bis hin zum ganz offensichtlich beabsichtigten Griff an die Pobacke. Nicht zu vergessen das Kommentieren meiner Kleiderwahl. Einmal bin ich wegen meines Regenschirms mit Leopardenmuster von einem fremden Mann als „Nutte“ bezeichnet worden. Solche Situationen gehören zum Alltag. Sie sind unberechenbar und wecken in mir immer ein ungutes Gefühl. Dennoch habe ich lange Zeit nicht in Frage gestellt, was da eigentlich passiert. Ich habe es einfach so hingenommen. Ich habe dann angefangen, mich mit feministischen Themen auseinander zu setzen, habe Erfahrungsberichte von anderen Frauen gelesen. Und ich habe herausgefunden, dass es sogar ein Wort für diesen alltäglichen Zustand gibt – „Rape Culture“.
Besonders betroffen gemacht haben mich die Erfahrungsberichte unter dem Hashtag #whyisaidnothing, welches zunächst von Marlies Hübner und kurze Zeit später von vielen weiteren Menschen, die sexuelle oder sexualisierte Gewalt erlebt haben, genutzt wurde, um der Welt zu zeigen, warum es so schwierig ist, über das Erlebte zu sprechen. Das war Anlass genug, selbst einmal Revue passieren zu lassen, was ich bis dato alles erlebt hatte.

Und dann. Dämmerte es. Langsam gruben sich längst vergessene Bilder zurück in mein Bewusstsein. Ein Tag, den ich irgendwie schien vergessen zu haben, lag plötzlich wieder so klar vor mir, als wäre es gestern gewesen. Ich muss etwa vierzehn Jahre alt gewesen sein als ich mit meiner besten Freundin an einem sonnigen Nachmittag unsere Dorfkneipe betrat. Das übliche Publikum war bereits anwesend. Ein paar Männer „aus´m Dorf“, wie
man bei uns sagt. Ich hatte damals meinen ersten richtigen Freund. Sein Stiefvater war auch anwesend. „Aaaachh, komm erstmal her zu deinem Schwiegervatter!“ Schwiegervatter. Mit zwei T. Und schon saß ich da.
Auf dem Schoß des Schwiegervatters und fühlte mich nicht ganz wohl bei der Sache. Die anderen Männer saßen auch johlend und trinkend am Tisch. Plötzlich merkte ich, wie sich seine große, starke Hand vorsichtig unter mein T-Shirt schob. Langsam wurde die Kontur meiner linken Brust mit den Fingern abgefahren. Sein Blick! Er wusste, dass es falsch ist, was er tut. Und ich wusste es auch. Aber ich konnte nichts tun. Ich konnte nicht „Nein!“
sagen. Ich konnte nicht irgendetwas sagen. Ich konnte mich noch nicht einmal bewegen. Ich saß nur da, auf seinem Schoß und war wie gelähmt. Ich hatte gerade erst begonnen, erste sexuelle Erfahrungen zu machen – mit seinem Stiefsohn. Mit dieser Situation war ich vollkommen überfordert.
Ich habe über fünfzehn Jahre lang nicht darüber gesprochen. Nicht mit meiner Freundin, nicht mit meinenEltern und nicht mit meinem damaligen Freund. Ich habe einfach so getan, als hätte es nie stattgefunden und habe es dann irgendwie vergessen. Bis mich #whyisaidnothing daran erinnerte. Und schon konnte ich mich selbst fragen: „Ja, warum habe ich eigentlich nichts gesagt?“ Weil ich Angst hatte, dass mir nicht geglaubt wird? Weil die Aussage eines pubertierenden Mädchens weniger Wert ist, als die Aussage eines gestandenen Mitglieds der Dorfgemeinschaft? Weil sich schon niemand der anderen Anwesenden in der Kneipe dafür interessiert hat? Weil ich die Beziehung zu meinem ersten Freund nicht gefährden wollte? Und weil es ja gemessen an dem, was anderen Mädchen passiert, gar nicht so schlimm  war?
Ich weiß nicht, wie ich diese Frage damals beantwortet hätte. Aber ich denke, das könnten die Gründe dafür gewesen sein.


Ich war 12 oder 13. Ich weiß es nicht mehr genau. Ich hatte zu dieser Zeit kein Interesse an Sex, ich war Jungfrau. Selbst bei einem Kuss, bei dem sich die Zungen berührt haben, musste ich kichern und fand’s irgendwie eklig. Aber ich war verknallt. Total verknallt in diesen einen Typen, der immer mit uns am Wochenende rum hing. Wir verstanden uns gut. Er war viel älter als ich. Ich glaube er war 18 zu diesem Zeitpunkt. Wir mochten uns sehr gerne. Eines Tages gingen wir zusammen auf ein Konzert. Er wohnte in der Nähe und deshalb durfte ich nach dem Konzert bei ihm übernachten und ich war schon total aufgeregt. Als das Konzert vorbei war, waren wir bei ihm, es war spät und wir legten uns in sein Bett und haben gekuschelt. Dann küsste er mich und seine Hände waren plötzlich überall an meinem Körper. Das war mir schon zu viel und ich sagte ihm das auch. Er hörte nicht auf und sagte nur „Keine Sorge. Das wird dir gefallen.“ Seine Hände waren überall, er zerrte an meinen Klamotten rum und versuchte mich auszuziehen. Es gelang im teilweise. Ich sagte ständig, dass mir das alles unangenehm sei und ich das nicht möchte. Er kam mir immer näher und dann fing er an mit seiner Zunge an meiner Klitoris zu lecken. Ich fand das in dem Moment gar nicht schön. Ich stand unter Druck und mir war alles unangenehm. Ich sagte es ihm, er hörte nicht auf. Irgendwann schaffte ich es seinen Kopf von dort wegzubekommen. Dann schaute er mich an und meinte „Jetzt bin ich dran.“ – ich war verwirrt. Was soll ich jetzt machen? Ich wusste es nicht und wollte es auch nicht wissen und wollte das alles einfach beenden. Ich meinte zu ihm, dass ich das noch nie gemacht hab und auch nicht machen will. Er wurde wütend und meinte, dass das jetzt total unfair wäre. Ich saß verwirrt da und wusste nicht weiter. Er nahm meinen Kopf und drückte ihn auf seinen Penis und gab mir Befehle, was ich tun sollte. So ging es ungefähr 15 Minuten lang, aber es fühlte sich für mich wie eine Ewigkeit an. Es war mir alles so peinlich in dem Moment. Als es vorbei war, haben wir endlich einfach nur geschlafen. Am nächsten Tag weckte er mich. „Ich geh frühstücken. Lass das Licht bitte aus.“ Ich machte das Licht natürlich sofort an, als er aus dem Zimmer war und erblickte das Bild von ihm und seiner Freundin. Wow. Mir ging es dann noch beschissener.. Er fuhr mich dann zum nächsten Bahnhof. Ein paar Jahre vergingen. Ich war 15/16 und wohnte mittlerweile in einem anderen Bundesland. Auf seine Nachrichten habe ich nicht mehr geantwortet in der vergangenen Zeit. Bis zu diesem Zeitpunkt. „Hey .. , schreib mir mal deine Adresse. Ich und ein Kumpel sind in der Nähe und bräuchten einen Schlafplatz.“ – okay. Ich war super nervös. Aber ich gab ihm tatsächlich die Adresse. Ich bin einfach ein zu netter Mensch. Wir hatten bei uns ein Gästezimmer, wo ich dann vorhatte ihn unterzubringen. Die beiden kamen an und sofort zeigte ich ihnen ihren Schlafplatz. Sein Kumpel machte es sich dort bequem. Nur er nicht. „Kann ich bei dir pennen?“ – „Nein.“ – „Ach komm schon.“ – „Nein.“ Ich ging in mein Zimmer. Ein paar Stunden später klopfte es an der Tür. „Können wir reden?“ Ich ließ in reinkommen und wir unterhielten uns über die Sache, die damals passiert ist: „Ich hab dich sehr vermisst. Du hast nicht auf meine Nachrichten geantwortet, weil du damals herausgefunden hast, dass ich eine Freundin hatte, oder? Ich bin jetzt Single.“ Er küsste mich wieder und legte sich auf mich. Ich wehrte mich und sagte, dass ich kein Interesse daran hab. Er hörte wieder nicht auf. Es passierte wieder. Aber dieses Mal ging er noch weiter und zwang mich zum Sex. Ich sagte ihm die ganze Zeit, dass ich darauf keine Lust hab und er sagte dazu nur immer „Du bekommst schon noch Lust.“ Es war der absolute Horror. Mein Kopf war voller Gedanken und Ideen, wie ich das beenden könnte. Aber ich unternahm nichts. Lag nur da. Ließ es über mich ergehen und wartete auf ein Ende. Als es endlich vorbei war, stand er auf und ging in das andere Zimmer zurück, „Mein Kumpel muss ja nichts davon erfahren.“ Ich wollte es nie einer Person erzählen, da es mir so peinlich war, ich schämte mich so sehr, das glaubt ihr nicht. Erst einige Jahre später, als ich darüber anfing zu reden, habe ich gecheckt.. nein, eher die Leute, denen ich es erzählt habe, sagten mir, dass ich vergewaltigt worden bin.


Mein allererster fester Freund, ich war 16 und er 20, brüstete sich, wie dankbar ihm alle Frauen waren, dass er sie “knacken” durfte. Ich habe deutlich abgelehnt, dass ich aber nicht möchte, nicht jetzt, und ich schlief mit Jogginghose neben ihm im Bett aus Sorge, meine nackte Haut könnte ihn zu sehr einladen. Es hielt nicht lang, nur 2 Monate, und mich durfte er nicht knacken. All seine Geschichten, wie gut er sei, haben mich eher abgestoßen als verführt. Er war körperlich sehr zudringlich, auf Parties immer die Hand an meinem Po, immer Revier markieren, ich fühlte mich zu Beginn besonders, und gewollt, aber das verfolg schnell. Es war einfacher für mich, ihn abzuweisen, weil ich ihn nicht geliebt habe. Sonst wäre ich mir da nicht so sicher.


Meine Geschichte hat zwei Teile.
Ich kann mich an vieles Nichtmehr genau erinnern.
Einerseits, weil es zwischen 15 und 11 Jahren her ist, andererseits weil ich nie wirklich darüber gesprochen und vieles verdrängt habe. Ich hatte immer die Unterstützung meiner Familie, die meine Aussagen nie in Frage gestellt haben. Dafür bin ich sehr dankbar und ich weiß es zu schätzen, auch wenn ich das nie gezeigt habe.
Der erste Teil meiner Geschichte beginnt vor ungefähr 15 Jahren, ich war damals 10 oder 11 und das erste Mal alleine im Freibad. Es gab dort ein Sommerfest und es war viel los im Schwimmbad. Ich saß dort am Beckenrand als sich ein junger Mann, der offensichtlich geistig retardiert war zu mir setzte. Wir unterhielten uns und er fragte mich ob ich seine Freundin sei. Natürlich war ich seine Freundin, was sollte daran falsch sein? Er legte seinen Arm um meine Schultern. Wir unterhielten uns weiter und plötzlich spürte ich seine Hand in meiner Hose. Ohne zu wissen, was gerade passiert wusste ich, dass es mir unangenehm war. Erst kicherte ich und bat ihn aufzuhören. Das tat er nicht, also bin ich weggelaufen. Ich lief zu meiner Tasche, holte mein Handy, verkroch mich in der Umkleidekabine und rief meine Eltern an. Ich habe geweint und meinem Vater erzählt was passiert war. Ich wartete in der Umkleide auf meinen Vater, der sofort kam um mich zu holen. Als ich ihm zeigte, wer der Mann war der mir das gerade angetan hatte, wollte er ihn zur Rede stellen und schüttelte den Mann – ganz zum Unverständnis der restlichen Schwimmbadbesucher. Innerhalb von Sekunden war – in den Augen der Besucher – Nichtmehr ich das Kleine Mädchen das gerade sexuell belästigt wurde, sondern mein Vater der Mann der Menschen mit Behinderung angeht. Dass die Polizei zwar gerufen wurde, aber es nie zu einer Anzeige kam, muss ich nicht weiter erwähnen.

Das zweite einschneidende Erlebnis hatte ich mit 14. Ich lernte ihn im Internet kennen, er war 26. wir kamen aus dem gleichen Ort und verstanden uns gut. Nachdem wir eine Zeit lang geschrieben und auch mal telefoniert hatten ging ich eines nachts nach einer Party total besoffen zu ihm. Er redete von Liebe und tat später so als hätte er nicht gewusst, dass ich vor unserem Treffen noch nie sex hatte. Ich weiß nicht ob ich mich gewehrt habe oder zu besoffen und zu naiv war. Ich dachte auf jeden Fall ich müsste das machen, wenn ich will dass er mich respektiert. Dass ich danach sehr lange brauchen würde um mich selbst respektieren zu können, daran hab ich nicht gedacht.
Meine Familie kannte und mochte ihn anfangs. Als mein Bruder ein paar Jahre später von der Geschichte hörte, ging er auf ihn los und erzählte meinen Eltern davon. Die wollten ihn anzeigen, ich bat sie das nicht zu tun und war böse auf meinen Bruder. Ich fühlte mich schuldig und schämte mich. Dass nichts meine Schuld war weil ich ein Kind war hab ich erst vor kurzem Begriffen.
Der Mann ist heute verheiratet und hat eine Tochter.


Ich fahre mit der U2 in Berlin und mein Kopf beschäftigt sich mit den Naziparolen, die zwei Menschen austauschen, dass die Musik spielenden Roma dort hin gehen sollen “wo sie herkommen”. Ich bin erbost. Die Musik ist schrecklich laut. Die beiden Kartoffeln sind schrecklich. Versuche sie, mit Blicken zu strafen. Ich stehe an der Tür, die Bahn ist voll, die Menschen dicht beisammen. Die Musiker wollen raus. Jungs sind darunter. Einer ist höchstens 11. Beim rausgehen fasst er mir direkt zwischen die Beine, fest und zielstrebig. Ich erstarre. Ich hab es kaum jemandem erzählt. Ich fühlte mich so dumm, und habe meist weggelassen, dass es Roma waren, weil ich nicht fremdenfeindlich wirken will.

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