http://geschichtedergegenwart.ch/ich-kann-euch-alle-haben/

Es ist zu einfach, PUAs zu belächeln. Viele ihrer Vorstellungen entsprechen exakt dem, was soziologisch als Rape Culture beschrieben wird, nämlich jene fortbestehende implizite oder explizite gesellschaftliche Grundannahme, dass Frauen (geistig) unterlegen sind und von Männern erobert und angeeignet werden wollen und sollen. Auch mündet die proklamierte Alpha-Männlichkeit zuweilen in Gewaltexzesse: Elliot Rodger tötete 2014 in Kalifornien sechs Menschen. Rodger war zuvor in PUA-Foren und auf maskulistischen Webseiten aktiv. In seinem Manifest bezeichnet er sich als „the true alpha male“ und erklärt, er wolle Frauen töten, da sie ihm den Sex verweigerten, der ihm eigentlich zustehe.

Gegen die internationalen PUA-Treffen im November 2015 gab es breite Proteste, so dass Roosh V. die Meetings absagte. Auch in Basel versammelten sich Frauen, um zu protestieren. Man sagte ihnen: Beachtet diese Idioten doch nicht! Seit Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, wird allerdings zunehmend deutlich: Diese ‚Idioten‘ spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der rechtsnationalen Radikalisierung junger Männer. Es gibt sowohl inhaltlich als auch auf der Ebene der Akteure zahlreiche Überschneidungen zwischen den PUAs und der neuen Rechten. Das Phantasma von einer Wiederaneignung dominanter Männlichkeit wirkt bei vielen Männern wie eine Einstiegsdroge für rechtsnationale Weltanschauungen.

Vom Feindbild eines angeblich grassierenden ‚Feminismus‘, der Männer klein halte, ist es ein kleiner Schritt zu der Vorstellung, die Verweichlichung des westlichen Mannes führe zur Schwächung nationaler Souveränität und zur baldigen Machtübernahme durch Muslime. Der norwegische Attentäter Anders Breivik argumentierte in seinem Manifest genau so, und Roosh V. antwortete auf die Anfrage von 20 Minuten zum geplanten Pick-Up-Treffen in Basel: „Habt ihr in der Schweiz das Problem mit der muslimischen Invasion schon gelöst?“”