Hey Carlo, was war dein erstes Mixtape?

Hey Kitty Kat! Das erste “Mixtape”, an das ich mich erinnern kann, ist eine Aufnahme, die ich für meinen Opa gemacht hab, als ich so ca. 4 Jahre alt war. Ich hab da über ein Mikro einfach gefreestyled und irgendeinen Quatsch drauf gesungen, 60 Minuten lang hahaha. Mein Opa war davon aber so sehr berührt, dass er 20 Jahre später noch immer davon erzählt hat und es in seinem Schrank aufbewahrte.

Das erste “richtige” Mixtape muss dann kurze Zeit später gewesen sein. Ich wurde damals schwer von meinem Stiefvater beeinflusst, der total 80er-mäßig samstags immer die SWF3 Hitparade vom Radio aufnahm. Er war dabei super sorgfältig, beschriftete die Tapes akribisch nicht nur mit Interpret und Titel, sondern notierte sogar die Laufzeit. Alles in sauberster Schönschrift und mit Textmarker gekennzeichnet. Ich erinnere mich, wie neidisch ich immer auf ihn war, weil er mit seiner Super-HighTech-Anlage die Songs ein- und ausfaden konnte, und somit verhindert hat, dass das Moderatorengelaber in die Aufnahme reinschredderte. Das ging mit dem Ghettoblaster, den ich besaß, natürlich nicht. Auf dem Tape müssten dann folgerichtig irgendwelche Top20 Hits von Anfang 80 gewesen sein, ich schätze Nena und Extrabreit und sowas hahaha.

 

Neunundneunzig Luftballons — So richtige Kracher von damals?

 

Ja klar, das und “hurra hurra die Schule brennt” und Falco und so. Und ich erinnere mich an meine damalige absolute Lieblingsnummer, “ich will” von UKW. Ein original Punksong, wenn man auf den Text achtet. Ich glaube der erste Text eines Radiohits, den ich vollständig auswendig konnte. Such den mal bei YouTube… ich war damals schon Rebell, ohne es zu wissen hahaha.

Ein Freund schenkte mir dann die 7” zum 18. mit der Aufschrift “Nie wieder zu jung”.

 

Und dein erstes durchdachtes mit “Konzept und so”?

 

Das fing dann langsam an, als ich aus dem Radio-Hitparaden Alter rauswuchs, bzw allmählich bemerkte, dass es dahinter eine Menge wesentlich spannenderer Musik zu entdecken gab. Ich hatte mir bereits in unserer Dorf-Bücherei AC/DC und  Maiden Tapes ausgeliehen, und wartete mit Spannung darauf, das erste mal Metallica oder Slayer hören zu dürfen, deren allgegenwärtige Schriftzüge mich schon länger in ihren Bann gezogen hatten, und das ultimativ böse und unübertroffene Härte suggerierten hahaha. Eines Tages hörte ich dann aber irgendwo “boys don’t cry” von Cure und bekam wenig später das “standing on a beach” Tape zugesteckt. DAS war die Initialzündung für mich, DER entscheidende Moment meines Lebens, der die Weichen für meine spätere Entwicklung stellte. Jedenfalls ging es dann los, dass ich mit einzelnen Schulkameraden anfing Kassetten mit ganzen Alben, die wir geil fanden, auszutauschen…

Ich glaube, das erste “richtige” Mixtape habe ich dann meiner ersten großen Liebe geschenkt. Der Klassiker: “Hier, all meine Lieblingssongs die ich dir unbedingt vorspielen will”. Wir waren beide hochgradig musikbegeistert und bereicherten uns da konstant gegenseitig. Davon inspiriert fing ich dann an, alle meine Dudes ständig mit Tapes zu befeuern. Darunter war auch mein 6 Jahre jüngerer Bruder, der heute noch gerne erzählt, dass ich ihm das erste Slayer Tape schenkte, als er grade mal 8 Jahre alt war.

Richtig Spaß machte es, als Skateboardfahren, Punkrock und Hardcore dazu kamen, und alles zu einer Kultur und einem Lebensentwurf verschmolz. Eine wahnsinnig aufregende und spannende Zeit, und unsere Tapes waren der Soundtrack dazu. All diese Erfahrungen hallen bis heute nach, und begründen, warum ich heute immer noch innigste Liebe zum Tapes mixen empfinde.

 

Es war damals so, dass ich mir nur äußerst selten Platten kaufen konnte. Ich bekam nicht viel Taschengeld, und mit den ersten Jobs hab ich eher andere Dinge finanziert. Das führte dazu, dass ich halt sämtliche Musik erstmal nur von Platten der Freunde auf  Kassetten aufnahm, und in total aufwendigen Sessions mit vermutlich stundenlanger Spulerei von Tape zu Tape überspielte. Dabei war die Richtlinie stets: “Das ist mein bestes, neuestes Zeug, das du unbedingt hören musst”. Auf die Idee, ein “Konzept” zu entwickeln bin ich ehrlich gesagt nie gekommen. Das wäre mir auch total abwegig vorgekommen. Erst Jahrzehnte später bekam ich “Thementapes” von einer Freundin geschenkt, mit der ich eine viele Jahre andauernde Tape-Tausch-Beziehung pflegte, und die ebenfalls totaler Maniac ist.

 

Meine Mixe sollten immer homogen zusammengestellt sein und einen angenehmen Hörfluss haben. Grobe Stil- oder Stimmungswechsel finde ich heute noch entsetzlich!

Mir erschließt sich auch immer noch nicht wirklich der Sinn… wer will einen Mix hören, mit Songs in deren Titel zB das Wort “Summer” vorkommt, oder sowas?! Das ist ein Garant für einen Haufen oft minderwertiger Songs, die willkürlich zusammengewürfelt werden.

Ein guter Mix muss für mich einen Anfang und einen Abschluss, Höhepunkte und Atmosphäre haben. Eine bestimmte Stimmung transportieren. Und darauf müssen die besten Songs oder Tracks vereint sein, die möglich sind.

Hm. Genau betrachtet ist das ja eigentlich auch eine Art Konzept… nur nicht so eingegrenzt, in ein starres Korsett gequetscht.

 

Was ist schöner: für dich selbst mixen oder verschenken?

 

Das lässt sich für mein empfinden nicht vergleichen. Was beide Vorgänge gemeinsam haben, ist der Prozess. Trackauswahl, Zusammenstellung, Aufnahme. Die ganze Nummer ist durch die vielen Jahre ziemlich routiniert bei mir, ich weiß in etwa wieviel Songs auf eine Seite passen (je nach Musikstil), ich habe vorher schon einen Opener aus der Sammlung gepickt, und dann baut ein Song auf den nächsten auf. Ganz simpel. Durch die digitale Technik ist das ganze maximal perfektioniert, so dass zB am Ende einer Seite keine lange Leerlaufzeit mehr ist (Songs abbrechen zu lassen ist auch völlig inakzeptabel!). Das alles hat für mich dennoch fast meditative Züge, ich kann darin komplett abtauchen und die Welt um mich herum vergessen. Am liebsten Arbeite ich spät nachts an meinen Mixen. Ich habe dann das Gefühl, dass die Erde still steht und ich bin frei. Nachts kann mich nichts ablenken, kein Telefon, keine Mails, der Hund braucht mich nicht. Und ich habe nicht das Gefühl, dass ich eigentlich wichtigere Dinge erledigen müsste. Ich liebe das!

Die Mixe für mich selber sind immer kleine Sammlungen der besten Songs der letzten 3-4 Wochen, die reingekommen sind. Anfänglich waren es die Platten, die ich grade gekauft hatte, inzwischen sind es die unzähligen Downloads, die noch zusätzlich jeden Tag dazu kommen. Das ganze ist rein praktischer Natur, ich höre meine Tapes immer über einen kleinen schicken Player im Badezimmer. Und der braucht ständig Nachschub, damit es nicht langweilig wird. Deshalb nummeriere ich die auch bloß, ohne Artwork.

Mixe, die von mir verschenkt werden, sind dann halt viel aufwendiger, weil sie natürlich liebevoll gestaltet werden müssen. Auch da sind die Abläufe relativ routiniert (Materialsichtung und Auswahl, Arrangement usw), sind aber jedes Mal auf’s Neue eine Herausforderung. Ich empfinde riesigen Spaß dabei. Obwohl ich sehr selten mit einem Ergebnis vollkommen zufrieden bin… Sorgfalt gehört leider nicht zu meinen Stärken.

Aber das ist auch der Grund, warum ich Trades so sehr liebe. Ich lerne immer noch etwas Neues dazu, weil jeder nochmal andere Ideen hat. In meiner Facebook Trade-Gruppe zB macht jemand immer noch zusätzlich einen Umschlag um die Tapehülle, mit einem weiteren Motiv. Ganz einfache Idee, aber da wär ich nie drauf gekommen. Oder die Trade Freundin, von der ich vorhin erzählte, erweiterte eine Hülle zu einer Figur, in dem sie Kopf, Arme und Beine einer Plastikpuppe dran klebte und alles so verrückte Ideen.

 

Ich mag ja die Festlegung auf das Tempo der Songs, langsam, midtempo, schnell und dann arrangieren. Machst du auch mehrteilige Sampler, wie zum Beispiel Trilogien?

 

Ja natürlich. Vor allem dann, wenn sich viel angesammelt hat, der/die Empfänger/in schon lange nichts mehr von mir bekam, oder ich Styles spielen will, die für mich nicht auf einen Mix zusammen gehen.

Tempowechseln schenke ich dabei aber ehrlich gesagt nur insofern beachtung, als dass sie auch den Flow nicht unterbrechen dürfen. Oder wenn sich das Tempo drastisch ändert, der schnelle Song, der auf den ruhigeren folgt, zumindest mit einem gemäßigten Gitarrenintro anfängt. Allerdings zählt auch bei mir die Regel: “All the DJs save the slowest Song for last”.

Ich hab aber auch letztens einen Mix gesehen, wo jemand tatsächlich Songs mit gleicher BPM Zahl ausgesucht hat, weil die Empfängerin den beim Joggen hören wollte.

 

Bei mir ist es total wichtig, dass es ein Intro und ein Outro gibt (das sind oft Intros und Outros von den kompletten Alben oder Instrumentals oder Akustiksongs), bei dir auch?

 

Absolut ja, ich hatte das ja vorhin schon mal kurz erwähnt. Auch das hat bei mir viele Stadien der Entwicklung hinter sich. Früher wurden von mir immer die coolsten Samples von Platten gerippt, später hatte ich meine Anlage auch an’s TV angeschlossen, und stand stundenlang am Mixer, um DAS Zitat aus einem Film oder alten Dokus oder Serien mitzuschneiden. Ich hatte dann einige Tapes, wo ausschließlich solche Skits drauf waren, die dann auch mit ewiger Suche und Spulerei von Tape auf Tape gezogen wurden. Au mann, was für eine Arbeit..!

Inzwischen hat auch das der Computer bequem gemacht… YouTube Suche, und dann hast du das, was du im Kopf hast, in wenigen Minuten auf deinem Tape.

 

Welche anderen Details gibt es immer bei deinen Mixen für andere?

 

Hm, gute Frage. Oft versuche ich durch einen bestimmten Song oder ein Zitat eine zusätzliche Verbindung zum Hörer / zur Hörerin herzustellen.

Oder ich versuche in der Gestaltung noch eine persönliche Note einzubauen, in dem ich bestimmte Sätze collagiere oder sowas.

Aber wenn ich so überlege… meine Mixe sind meist spontan und intuitiv, und sind abhängig von dem, was mir grade zur Verfügung steht. Im Songmaterial, genauso was die Gestaltung betrifft. In diesem Punkt sind andere glaube ich deutlich kreativer als ich.

Warte, mir fällt grade ein… eine Zeitlang habe ich das Papier, mit dem ich arbeitete, immer leicht mit Patchouli bestrichen, um so viele Sinne wie möglich zu triggern.

Geil, das sollte ich eigentlich mal wieder einführen..!

 

Welchen Mix würdest du für xclusivx zusammen stellen? (Komplette Tracklist für CD oder Tape, bitte)

 

Hahaha sehr gern… ich entscheide mich aber in diesem speziellen Fall mal für die CD, denn die Songs, die mir einfallen, sind alle sehr kurz, und die Liste für ein Tape würde hier den Rahmen sprengen.

Aber auf einem XCLUSIVX Mix von mir müssten definitiv folgende Tunes zu finden sein:

 

(nicht zwingend in dieser Reihenfolge!)

 

  1. Gorilla Biscuits “new direction”
  2. Minor Threat “minor threat”
  3. 7Seconds “ not just boys fun”
  4. Project X “straight edge revenge”
  5. Mindset “nothing less”
  6. Bane “can we start again”
  7. Free “we live free”
  8. Gouge Away “disease”
  9. Amygdala “punkerxs del barrio”
  10. Punch “not sorry”
  11. G.L.O.S.S. “give violence a chance”
  12. Iron “mark my hand”
  13. Spirits “ eyes of love”
  14. xBishopx “status quo hardcore”
  15. Carnist “hell is… complicity”
  16. Time To Heal “taking control”
  17. Downtown Boys “wave of history”
  18. Tiger Magic “together”
  19. La Luna “house party”
  20. Heart On My Sleeve “so i ran with scissors”

 

Ich glaube, wenn man an einzelnen Stellen noch etwas an der Reihenfolge schraubt, wäre das eine ziemlich schicke Sammlung. Oder?

 

Ja, gefällt uns schon ganz gut… wie bist du nun direkt bei diesem Mix für uns bei der Zusammenstellung vorgegangen?

 

In diesem speziellen Fall hab ich mich an den Themen eures Zines und der musikalischen Ausrichtung orientiert, also Veganismus, Straight Edge, Feminismus etc. und Hardcorepunk, weshalb natürlich auch ein paar Bands mit rein kamen, die ihr gefeatured habt. Das würde ich normalerweise nicht tun, ich suche eigentlich lieber Beiträge, die dem Geschmack des Empfängers/der Empfängerin entsprechen, und mögliche Neuentdeckungen bieten. Ist ja sonst auch langweilig.

 

Was würdest du nun noch dran “schrauben”?

 

Die Liste oben entspricht eher der Vorauswahl einer Aufzählung von Songs, die ich danach wie schon beschrieben zusammenstellen würde. Es ist ein bißchen wie das spontane, intuitive Auflegen als DJ, ich bilde erstmal kleine Blöcke von Bands und Styles, die in meiner Vorstellung gut miteinander gehen. Definitiv würde ich wegen des Intros mit “new direction” starten und vielleicht noch Minor Threat hinterher schießen. Damit es aber nicht zu berechenbar wird, sollte jetzt ein Umschwung folgen, vielleicht mit Mindset, danach Spirits und folgend ein bißchen Girl Power, wahrscheinlich Gouge Away… Je nach dem wie die Songs halt nacheinander harmonieren. Höhepunkte wären auf jeden Fall Bane und IRON. Das Finale allerdings würde ich so spielen, wie es da schon steht. Der Tiger Magic Song ist eine Ode an die Liebe zur Musik, und Heart On My Sleeve machen dir abschließend Mut, in dieser Welt zu bestehen, Risiken einzugehen und auch zu scheitern, aber niemals aufzugeben. Und mir gefällt die leicht melancholische Stimmung, in der der Mix abschließt. Ich mag das.

 

Voll gut. Du weißt, dass wir nun quasi den Mix haben MÜSSEN, oder?! Hat unser Tape auch eine besondere Farbe?

 

Eine besondere Farbe? Hm, deine Frage erinnert mich sofort an das Tape, das ich mal graffittimäßig besprüht habe. In Anlehnung an das fette XCLUSIVX Piece wäre das vielleicht sogar die beste Idee. Also keine einzelne Farbe, sondern schön knallbunt.

 

Vinyl hat Saison, das kann ja leider nicht gemixt werden, aber wie unterscheiden sich deiner Meinung nach Kassetten von CDs?

 

Zum Thema Vinyl mixen… Joachim vom Ox-Magazin ist sehr gut mit dem Chef von Cargo Records befreundet, und der hat ihm tatsächlich mal eine speziell für ihn gemixte 12” mit

5 seiner Lieblingssongs pressen lassen. Das Cover dazu ist eine Holzbox, in die die Titel hinten und das Ox Logo vorne hinein gebrannt wurden. Das nenne ich mal ein exklusives Geschenk..!

 

Aber, um die Frage zu beantworten: Ein Tape zwingt dich, sich in seiner Vollständigkeit damit auseinander zu setzen. Davon abgesehen, dass sich ein geschenkter Mix nur in seiner Gesamtheit entfaltet, und ohne Unterbrechungen durchgehört werden sollte (zumindest die ersten Durchläufe), verleitet dich ein Tape weniger dazu, im Zweifelsfall einfach weiter zu skippen. Ein Tape fordert dich auch wenn du es bespielst dazu heraus, die 90 Minuten zu füllen. Du kannst nicht einfach sagen , “Hab keinen Bock mehr, scheiß auf die 20 Minuten, die noch möglich wären”. Zusätzlich kannst du auf ein Tape immer noch Intros und Outros, Samples und Skits aus dem Internet aufnehmen, das finde ich wie gesagt großartig. Und eine Aufnahme musst du natürlich auch sozusagen “begleiten”, du kannst deinen Mix währenddessen auf seine Tauglichkeit scannen, und eventuelle Schwächen sofort erkennen. Einen Rohling schnell durch den Brenner zu jagen ist einfach so mechanisch deutlich weniger liebevoll.

 

Kommt drauf an, es gibt ja auch Lightscribe und CD-Edding 😀 hast du auch schon 30 und 60 min Tapes bespielt? (Ich hab das früher oft gemacht, wenn ich sehr kurze Alben für mein 1. Auto kopiert habe: eine Ente mit Stockschaltung und bloß einem Tape-Player)

 

Das ist schon wieder so Junge-Leute-Sprache, die ich nicht verstehe… ich hab nicht den Hauch einer Ahnung was diese Begriffe bedeuten könnten. Ich bin fast mitte 40, deshalb bin ich auch zu müde um jetzt Google aufzumachen und Wissen vorzutäuschen, das ich nicht habe, nur um zu verhindern, dass ich nicht als Trottel dastehe hahaha.

30er Tapes hab ich noch nie im Handel gesehen, außer natürlich diese Rohlinge für Demotapes. Deren Qualität ist aber derart räudig, die würde ich nie kaufen. 60er habe ich früher genommen, um halt komplette Alben zu “speichern”. Für Mixe nehme ich ausschließlich 90er, das ist für mich das perfekte Format, und die Laufzeit passt deutlich besser in meine Alltagsgewohnheiten im Bad. Bei einem 60er muss ich ständig während des duschens die Seite umdrehen, das nervt.

(Ente und Tape-Player…herrlich! Meine Familie hatte eine rote und eine blaue. Leider liefen bei meiner Mom immer deren -Achtung- Schlagermixtapes, die sie sich von CD-Samplern kopiert hatte. Das befähigt mich allerdings immerhin heute noch Partysmasher wie “Santa Maria” oder “im Wagen vor mir fährt ein schönes Mädchen” textsicher zu sing-a-longen hahaha)

 

Du legst auch in Clubs auf, mit welchem Medium?

 

Definitiv CD! Und nur gebrannte! Wenn ich mir die Platten und CDs ansehe, die ich früher mitgeschleppt habe, die dann durch runterfallen oder in der Hektik des Auflegens irgendwie anders zu Schaden gekommen sind, ärgere ich mich zu Tode! Seit dem ich nur noch CD-Rs dabei habe, muss ich nur noch eine kleine Mappe mit ca 100 Rohlingen schleppen, und bin für alle Fälle gewappnet. Und meine Schätzchen bleiben wohlbehalten zu Hause! Davon abgesehen hat man mit CDs technisch viel mehr Möglichkeiten als mit Vinyl, und du kannst selbst mit Rocknummern kleine Faxen machen, wie Intros loopen oder sowas.

Ich erinnere mich allerdings an meine ersten DJ-Erfahrungen in der Jugendhaus Disse, wo wir tatsächlich noch zusätzlich ein Deck am Start hatten und mit Tapes aufgelegt haben hahaha…

 

Dann nenn uns mal bitte deine 25 Dauerbrenner!

 

Poah…das würde eine ganz ganz bittere Liste. Zur Zeit lege ich hauptsächlich auf einer Party auf, die einem Club namens “Exit” huldigt, der zwischen den späten 80ern bis 2008 die Dorfjugend hier bespielte, aber immerhin einen derartigen Kult-Status in Solingen besitzt, dass die Leute heute noch gerne da hin dackeln. Da spiel ich überwiegend den ganz fies ausgelutschten 90er Stuff, RATM und SOAD, Korn, Nirvana und derartige Scheußlichkeiten. Urgh!

ABER: Das tolle daran ist, dass es damals eine Party gab, die uns HC Kids aus den umliegenden Kleinstädten bestens versorgte. Also finden sich dort auch immer ausser den üblichen Verdächtigen einer “Alternative Disco” die  Punker aus der damaligen Szene ein. Und das gibt mir immerhin die Möglichkeit zwischendurch eben auch die GEILEN Sachen einzubauen, weshalb ich den Job überhaupt nur mache. Denn ich kann auch altes (Post)Punk und Hardcore Zeug spielen. Du willst eine weitere Liste? Gern, hier 25 Knaller aus der “coolen” Kiste, die da hervorragend laufen:

 

Agnostic Front “gotta go”

Biohazard “punishment”

Black Flag “six pack”

Boysetsfire “rookie”

Civ “can’t wait one minute more”

Comeback Kid “wake the dead”

Cure “in between days”

Dead Kennedys “holiday in cambodia”

Earth Crisis “firestorm”

Fugazi “waiting room”

Gorilla Biscuits “start today”

H2O “what happened”

Helmet “unsung”

Hüsker Dü “don’t want to know if you’re lonely”

Ignite “sunday bloody sunday”

Inside Out “burning fight”

Joy Division “love will tear us apart”

Madball “pride”

Minor Threat “minor threat”

Operation Ivy “sound system”

Pennywise “bro hymn”

Rancid “time bomb”

Refused “rather be dead”

Sick Of It All “step down”

Smiths “bigmouth strikes again”

 

Crossfade: yay or nay?

 

Wenn du damit fließende Übergänge meinst, auf jeden Fall Yay! Bevor der Laptop Einzug in meine Mixereien erhielt, habe ich lange Zeit mit einem DJ-SetUp zuhause aufgenommen, das ich mir extra dafür zugelegt hatte. Davon abgesehen, dass ich mich Anfang der 00er Jahre überwiegend der elektronischen Musik und der DJ-Kultur zugewandt hatte, empfand ich es als Perfektion, auch Rocksongs auf meinen Tapes miteinander verschmelzen lassen zu können. Das waren ebenfalls unendliche Sessions und Lernprozesse, weil dich da natürlich jeder kleine Fehler zwingt, wieder von vorne anzufangen… Aber das schöne war, dass es halt das auflegen-lernen-und-üben mit dem Tapes mixen verbunden hat.

 

Ich hab bei CD-Mixes auch immer Crossfade eingebaut, ich fand das toll, was glaube ich nicht alle so empfinden 😀 überleg mal, welche zwei Songs besonders gut ineinander verschmelzen?!

 

Ich glaube dass viele Leute das nicht so gut finden, ist der Punkt, den ich vorhin verschwiegen habe… nämlich der, dass die CD den Vorteil bietet, die Songs, die einem am besten gefallen, selber weiter zu verwenden. Das ist der Grund, warum ich zB DJ Kollegen ausschließlich CDs gemacht habe. Da ist das dann ja mit den Song-Anfängen und -Enden problematisch. Ich fände es zum Anhören großartig, weil es dann eben den Charakter eines DJ Sets hat. Im zuvor geschilderten Fall würde ich mich dann aber auch ärgern. Oder man macht es so wie bei den Techno-Compilations, bei denen die 3. CD dann immer der “Mastermix” ist…

 

Die “Verschmelzung” von Songs funktioniert natürlich am besten mit sphärischen Outros/Intros, die man einfach ineinander blendet. Eine kleine Routine, die ich auch im Club immer ganz gerne bringe, und die mit dem modulieren durch die Effect-Section im Mixer geil funktioniert, ist das Ende von Refused  “new noise” zu loopen (“The new beat! The new beat! The new beat! The new beat!”…), langsam zu flangern und da rein das Intro von Boysetsfire “after the eulogy” zu faden. Und dann spiel ich sogar noch, wenn ich Bock hab, in dieses lange Outro von “eulogy” wiederum das Intro von Killswitch Engage “last serenade” rein. Dabei muss man ziemlich exakt timen, damit der Einsatz bei Killswitch genau auf den Peak der Steigerung bei “eulogy” passt. Das geht auch genauso gut mit diesem alten Caliban Hit, dessen Name mir grade nicht einfällt…

Wer sich jetzt verständnislos am Kopf kratzt, weil er /sie die Songs nicht kennt… ihr ahnt es… bei YouTube anhören, dann könnt ihr es euch vielleicht in etwa vorstellen.

Oder, wenn ihr in NRW wohnt, einfach mal zur Exit-Party fahren. Da spiel ich euch das gerne live vor hahaha.

 

Stichwort Audiophilie, nenn uns mal dein gesamtes Equipment zum Musik hören zuhause?

 

Also ich hab 2 Technics MKII 1210, auf die ich schwöre weil sie aus Beton gebaut und die Panzer unter den Plattenspielern sind. Dazu ein Pioneer DJM-250 Mixer, mein 25 Jahre alter Grundig-Verstärker plus CD Player,  und am Mixer ein Kabel, das für den Einsatz des Ipod bereit liegt.

 

Hast du auch hier schon Sampler gemacht aus grottigen Youtube downloads oder ist das ein No go!?

 

No Go’s gibt es eigentlich gar nicht, zumindest fällt mir auf Anhieb keines ein. Jede Möglichkeit, irgendwo Tunes abzugreifen, die einen Mix bereichern, ist erlaubt.

Tatsächlich ist es so, dass zwei der schönsten Tapes, die ich für mich selber gemacht habe, ein Akustik Mix ist, der aus YT Videos entstanden ist. Da sind ganz wunderbare Versionen drauf versammelt, die sonst nie veröffentlicht wurden. Auszüge aus Cardinal Sessions, oder Aufzeichnungen von TV Noir, einer Show aus Österreich. Eins meiner Lieblingssongs darauf ist eine “Dancing In The Dark” Interpretation von Dear Reader. Das war eine sehr schöne Session, ich hatte keinen Masterplan und nur einzelne Nummern oder Interpreten im Kopf, die darauf versammelt werden sollten. Ich ließ mich treiben, viele Vorschläge passten genau in mein Konzept und so hatte ich am Ende soviel Material, dass es für zwei reichte, obwohl ich nur eins geplant hatte.

Als nächstes habe ich einen HipHop-Mix im Kopf, den ich mir aus Bandcamp-Tracks zusammen rippe… ich hab aktuell wieder einen sehr harten Rap-Rückfall.

Also kurz gesagt, ich glaube am Ende sind wirklich alle Optionen erlaubt.

Carlo’s FB-Gruppe: https://www.facebook.com/groups/www.90semo/


KAT

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