http://www.linamallon.de/2017/10/ich-wurde-gestern-sexuell-belaestigt-eine-stunde-lang/

Außerdem wird schnell klar, dass ich ein 32-teiliges Sprachstudium und viel Fantasie brauche, um all die Begriffe, Emojis oder Teilsätze manuell zu blocken, die mir in dem einstündigen Chat zugeworfen werde. An fuck, titts, nudes, bitch, pussy, rape habe ich gedacht. Nich an rxpe, nicht an b*tch, nicht an pssy. Meine Schuld vermutlich.

Und so ploppen sekündlich die Nachrichten von Männern auf, die in meinen Live-Chat stolpern, die mich entweder vögeln, heiraten, vergewaltigen oder mir nur vorschlagen wollen, dass ich mich ausziehe. Manche werden wütend, wenn ich es nicht tue. Natürlich beleidigen sie mich dann. 60 Minuten lang werde ich belästigt. Pausenlos. Alles was ich tun könnte, wäre den Chat abzubrechen oder die Nutzer manuell aus dem Chat zu verbannen, nachdem sie ihre Eröffnungsbelästigung getippt und gesendet haben.

Wenn ich einen Nutzer blocke und aus dem Stream entferne, sehe zumindest ich nicht mehr, was er mir da schreibt.
Die anderen Nutzer tun es. Minderjährige, Teenager, junge Frauen, lesen 1 Stunde lang mit, wie mich hunderte Typen sexuell belästigen. Der Vollständigkeit halber: dabei ist übrigens egal, ob ich mich im Wollpullover oder im Saunatuch zeigen würde, ob mein letzter Instagram-Post körperbetont oder mein schlichtes Frühstück war. (Ich tippe das dazu, weil ich mir sicher bin, dass einige Leser mit anerzogener Sexualisierung, die Frage nach meiner Garderobe wohl stellen würden. Oder vermuten könnten, dass diese Nutzer von meinen geposteten Bildern angezogen werden, wie Hände vom Minirock.)

Nach den letzten 5 Livechats habe ich gut 540 Nutzer händisch blockiert. Zwei Chats habe ich vorzeitig abgebrochen. Ich habe pro Chat gut 2000 Zuschauer. Damit liege ich weit unter dem Durchschnitt. Viele Influencer oder User, die bis zu 10’000 Zuschauer erreichen können, machen gar keine Livechats mehr, weil sie der Masse an Belästigung nicht mehr Herr werden können.

Spricht man das Problem laut auf externen Seiten wie Twitter oder in der Community an, bekommt man immerhin hilfreiche Tipps:
“Dann mach halt keinen Livechat mehr.”
“Das ist bei anderen Bloggen noch schlimmer, kein Grund, dass du dich besonders zum Opfer machen musst.”
“Ignorier es doch einfach, können andere auch.”
“Oh man, die nächste Frau, die wahrscheinlich neuerdings schon bei einem einfachen Kompliment zur Polizei rennt. Entspann dich mal, die tun dir nichts, die finden dich nur toll.”
“Gott, das sind doch nur irgendwelche virtuellen Nachrichten, die stehen nicht in deinem Wohnzimmer, wie empfindlich kann man sein.”