Stell dich uns doch mal bitte vor!

 

Hallo! Mein Name ist Bianca, ein Mädchen von nebenan, gefangen zwischen sämtlichen Szene Welten. Ich mag es gemütlich in meinem Schaukelstuhl mit Platten oder Tapes laufend, aber manchmal mutiere ich zu einem Rock’n’Roll Voyager und komme am liebsten erst gar nicht mehr nach Hause. Das und vieles mehr macht mich zu einer Lebensenthusiastin, was ich zur Motivation und Inspiration nehme subkulturelle DIY Zines mit antirassistischen, intersektionellen, queer feministischen Werten zu kreieren.

 

Wieso machst du ein Zine?

 

Das frage ich mich tatsächlich selbst sehr oft, wenn zwischen alltäglichen Verpflichtungen, Konzerten, Festivals und anderem Freizeitspaß Bestellungen reinkommen und mein Stresslevel manchmal zu explodieren scheint.

Das klingt jetzt total beschäftigt, jedoch fühlte ich mich eine Zeit lang recht hobbylos und mit Hobby meine ich eine Beschäftigung, die mich erfüllt und die ich vielleicht auch besser als nur solala wie bisherige kann. Schon länger suchte ich nach etwas, wodurch ich wachsen und meine Wissbegierde eines so breitgefächerten Spektrums zwischen Musik, Politik und Feminismus ausleben kann. Zudem machte mir Schreiben immer Spaß und ebenso schmeiße ich mich gern ins kalte Wasser, bzw. in unbehagliche Vorhaben und Situationen.

Fanzines kannte ich dank DIY Punk Umfeld und Vorliebe zur Riot Grrrl Bewegung. Somit sagte ich eines Abends kleinlaut zu meinem Freund „ich habe da so eine Idee…“, „na rück schon raus“ sagte er, weil ich diesbezüglich zu Beginn und noch eine ganze Weile danach sehr verunsichert war. „Ich glaube ich mache ein Fanzine“ und so begann das Konzipieren.

Das ist warum ich damit begann. Mittlerweile ist es nicht nur mein Hobby, sondern mein Herzensprojekt, das in irgendeiner Art und Weise 24/7 in meinem Leben präsent ist. Es ist super; Dinge, die mir im Kopf rum schwirren auf Papier zu bringen. Das Feedback ist überwältigend und gab mir nicht nur Zuspruch bezüglich meiner Arbeit, sondern auch enorme Kraft und eine neue Art von Selbstbewusstsein. Ich bin nämlich eine Meisterin im Kleinreden von Dingen, die ich kann und mache. Gepaart mit einem Grundpessimismus eine ganz böse Mischung für perfektionistische Ansprüche an mich selbst sage ich euch! Ja, Selbstreflektion und so etwas offen zugeben zu können oder stolz auf meine Arbeit zu sein brachte mir wohl auch erst die Zine Arbeit, ein weiter Grund warum ich Zines mache. So viel Gutes teile ich dann auch gerne. Mir ist wichtig, dass meine Zines ebenso als Plattform für alle dienen, die mal etwas schreiben, zeichnen oder basteln möchten. Gegenseitiges Empowern steht bei mir an oberster Stelle, wodurch ich auch viele neue tolle Menschen, mit all ihren Werken und Geschichten kennenlernen konnte.

Rückblickend betrachtet sehe ich das Machen von Zines auch als Instanz meiner eigenen Gewaltenteilung. Aktuell bleiben, mit offenen Augen durchs Leben gehen und dabei kritisch sein ist mir besonders wichtig. Nicht alle Artikel, Meinungen und Geschichten vom Hörensagen so hinnehmen. Das ist meist der bequeme Weg, doch so bilde ich mir doch keine eigene Meinung. Das möchte ich auch in den Zines weitergeben, indem ich die Meinung anderer Menschen miteinbeziehe, außerhalb meiner Medienbubble und Peergroup die Ohren aufmache, einen Input Umschlag mit Artikeln auf der letzten Seite anbringe oder in der Rubrik „google dir einen Überblick“ Stichworte liefere, durch die jemand auf eigene Faust etwas, was mich begeistert, recherchieren kann. Eigeninitiative bleibt im Kopf, vor allem in der heutigen Zeit, in der unsere Aufmerksamkeitsspanne mit acht Sekunden unter der eines Goldfisches gefallen ist. Oh homo sapiens, du tolles Wesen!

 

Was soll denn alles im Okapi stecken, welche Themen liegen dir am Herzen?

Auf dem Deckblatt ist – Musik, Subkultur, Zeitgeist – zu lesen.

Das ist keine strikte Aufteilung, eher eine Beschreibung welche Thematiken in den Artikeln, Illustrationen und sonstigen Inhalten überwiegend aufgegriffen werden.

Am Herzen liegt mir dabei “Empowerment”. Im Idealfall sollen die Okapi_Riot Leser*innen das Heftchen zu machen und zum Einen anfangen über die Inhalte nachzudenken, im besten Fall recherchieren, zum Anderen sollen sie ein paar neue Projekte und Unternehmen kennengelernt haben, die verdienen viel öfters irgendwo abgedruckt zu werden.

Basierend auf meinen eigenen Erfahrungen und Recherchen schreibe ich also rein subjektiv über Bands, Gruppierungen, Künstlerinnen und Unternehmerinnen und lasse sie dabei am liebsten auch selbst zu Wort kommen. Wenn ich also von einem ‘HASS AUF ALLES’ (Punkband) Konzert mit einem großen WOW zurück komme, schreibe ich darüber und bin überglücklich, wenn die Lieben dann sogar noch zu einem Interview Zeit haben (Beispiel aus issue no.1). Einfach um meine Euphorie mit euch anderen tollen Menschen zu teilen und den Künstlerinnnen eine (wenn auch sehr kleine) Reichweite zu bieten. Wie gesagt Empowerment, deshalb stehen auch überwiegend Projekte oder Geschichten von Frauen im Vordergrund.

 

Zeitgeist empfand ich als eine schöne Umschreibung für die politische und feministische Haltung im Zine. Texte über Erfahrungen oder Denkanstöße kommen sowohl von mir als auch von anderen, die solche teilen möchten. Das Konzept des Zines, dass es von Menschen wie du und ich für alle sein soll, ist mir besonders wichtig; das kann ich allein logischerweise mit ausschließlich meiner Meinung und meinen Erfahrungen nicht authentisch rüber bringen.

 

Da ich zugegebenermaßen auch krass Social Media addicted bin und Okapi_Riot auch online zu finden ist, versuche ich die digitale Welt der Digital Natives mit diesem wunderbaren Printmedium eines Zines zu verknüpfen, indem ich immer auf Homepages, Social Media Accounts oder sonstige Links der Projekte und Menschen verweise. Zudem spiegelt sich das auch thematisch wider, wenn ich Posts, Kommentare oder Inhalte einer FB-Gruppe im Zine abdrucke und kommentiere um Rassismus, Sexismus oder Homophobie innerhalb der digitalen Community aufzuzeigen. Mit aktuellen Richtlinien von Twitter, Facebook, Instagram u.s.w. hat das zwar keinen großen Effekt, jedoch sagte ich ja das Zine soll zum Nachdenken anregen und ist auch Plattform meinem Ärger freien Lauf zu lassen.

 

Warum hatte dein Zine erst einen anderen Namen?

 

Gute Frage, denn das verwirrt so manch eine*n. Letztens zum Beispiel – um mal aus dem Nähkästchen zu plaudern – als die Hamburger Punketten Copper, Gold und Silver vom Zine Fe_Male Focus ein Interview für Plastic Bomb beantworteten, wussten sie gar nicht so recht von wem sie sprechen sollen, als es um unsere Zinester Freundschaft ging, Tell me y ur so…!, Okapi_Riot oder einfach Bianca? 😀

Nun ist es so, dass ich Tell me y ur so…! immer meine Demo Version nenne, mein erster Versuch mich an die Zine-Macher*innen Welt ran zu tasten und zu lernen.

Mir wurde schnell bewusst was mehr oder weniger wichtig ist und eigentlich fehlte mir ein „offiziell“ subkultureller Inhalt bei diesem ersten Zine.

Der Ansatz war mir einfach auch zu brav. Andere Menschen verstehen, Akzeptanz aufbringen, Verständnis zeigen. Nicht, dass das neue Zine OKAPI_RIOT solche Werte nicht vertreten würde, es ist immer noch ganz klar gegen Diskriminierung, jedoch mit erhobenem Zeigefinger, kein drum herum Gerede, mehr Riot power! Mich machen viele Dinge auf dieser Welt wütend und da bin ich nicht alleine, das ist meine Inspiration, das ist warum ein neues Konzept her musste. Dabei habe ich die Zielgruppe klarer definiert. Wenn ich von antirassistischem, intersektionellem Queer-Feminismus schreibe, möchte ich davon ausgehen, dass sich die Leser*innen damit identifizieren können oder zumindest nachlesen und sich informieren.

Zudem hatte ich einfach mal richtig Bock über all die tollen Musik- Kunst- und sonstige Projekte zu schreiben, ohne dabei einer breit gefächerten Zielgruppe erklären zu müssen, dass z.B. Grind, Hardcore Punk und Deathmetal nicht einfach nur alles Rumgeschreie ist.

 

Welche Zinefreundschaften sind noch entstanden?

Fe_Male Focus hatte ich ja bereits erwähnt. Es ist zwar nicht meine Definition von Freundschaft, jedoch finde ich (virtuelle) Bekanntschaften durch das Tauschen von Zines vergleichbar. Das habe ich beispielsweise mit Lydia (@textfunk) und ihrem ersten “Test Zine” gemacht oder mit erfahrenen Zinestern des “Grrrls in subcultures” oder “Same Heartbeats” zum Beispiel. Es ist schön mit Menschen zu interagieren, die dieselbe Leidenschaft teilen und deine Arbeit nochmals auf eine ganz andere Art und Weise verstehen und die (Anfänger)Fehler und Problemchen nachvollziehen können.

 

Welche Zines sind für dich Vorbilder, oder machst du einfach dein eigenes Ding?

Tatsächlich mache ich einfach mein eigenes Ding. Das scheint mir ein sich durch mein Leben ziehendes Ding zu sein, überall völlig quer einzusteigen. Klar hatte ich schon in dem ein oder anderen Zine geblättert, oftmals war das dann aber auch etwas wie das Trust oder OxFanzine, also alles in einem erfahrenen und größeren Rahmen. Ich hatte auch viele kleine Zines, also in DIN A6 bis DIN A8, bzw. 24h Zines, handgeschrieben und gezeichnet, hauptsächlich aus Großbritannien. Für mein erstes Zine sagte ich mir damals jedoch ‘einfach mal loslegen’, es sollte ja meins sein und nicht ein Werk, welches orientiert an anderen oder “so ähnlich gemacht wie…” ist.

 

Bis es fertig war hatte ich natürlich auch viele DIY Zines entdeckt und die Neugierde war dann so groß, dass ich natürlich auch schauen wollte wie die anderen das machen.

Vorbild würde ich dabei womöglich das Human Parasit Fanzine nennen, einfach weil es auch ein aus sehr persönlicher Sicht geschriebenes, subkulturelles Fanzine ist. Glaubt man den Worten aus Interviewes und über die Entstehung, ist es ebenso ein Zine, das einfach aus purer Laune heraus ohne große Zielsetzung entstand. Ohne Bäppi persönlich zu kennen finde ich ihn bemerkenswert, da er das Zine mit allen Aufs und Abs solange schon macht.

Na und wenn wir schon von vorbildlichen Zines bei XclusivX sprechen, euer Zine ist ja  ebenso unfassbar cool. Ihr seid da ja nun auch schon eine ganze Weile dabei und vermittelt (mir zumindest) immer noch ein Gefühl, dass ihr auch mächtig Bock auf die Sache habt. Wie könnte ich das jetzt nicht als Vorbild nennen, wenn ich doch Luftsprünge wie ein zu Justin Bieber gehende*r Teenie gemacht hatte, als ihr mich nach einem Interview fragtet ❤

 

Wirst du den Namen eventuell noch einmal wechseln?

 

Definitiv nicht! Das wütende Okapi und ich haben uns in den letzten Monaten doch ganz gut angefreundet. Ich sehe es auch weniger als ein Namenswechsel, viel mehr als neues Zine, das auf der ersten Demo (inhaltlich wie gestalterisch) aufbaut.

 

Welche Musik läuft beim Zine machen?

 

Texte schreibe ich tatsächlich am liebsten ganz im Stillen. Musik läuft dann eher bei kreativeren Prozessen oder Konzeptphasen. Da ich das Zine alleine mache, dauert es ewig bis alle Seiten stehen, was wiederum bedeutet, dass ich in dieser Zeit auch die unterschiedlichsten Bands höre, da mein Musikgeschmack einfach derart vielseitig und von Laune und Wetter abhängig ist.

Da läuft dann schon mal ein schräger Mix aus

Placebo, Black Flag, Falco, Pissed Jeans und Manowar, Kraftwerk, Misfits, gefolgt von Dinosaur Jr., The Shrine, Breeders, Power Trip, Beherit und Matyrdöd, worauf stundenlang Blue Öyster Cult und Rainbow dudelt. Manchmal bin ich eher so Baby Woodrose, Ty Segall, Bass Drum of Death und Lowrider. An manchen Tagen höre ich durchgehend nur Deutschpunk oder ziehe Kraft aus Girl Power a la Laura Carbone, GURR, L.A. WITCH, Le Tigre und Kate Nash, was ganz kontrovers zur male power hinter Musik meiner Lieben scheint, wie Sacremancy, Vulture, Hathors oder Rekruzifixiön. Aber ganz klar liebe ich die Pixies! Die Frage lässt sich, wie ihr seht, leider gar nicht mit einem Satz beantworten.

 

Wieso brauchen wir alle mehr Feminismus in allen Lebenslagen?

 

Tatsächlich würde ich darauf am liebsten Antworten: Wir brauchen keinen Feminismus!

Jedoch befänden wir uns dann in einer Gesellschaft, in der jede*r in allen Lebenslagen gleichgestellt wäre. Das ist leider nicht der Fall. Aus diesem Grund brauchen wir etwas in unserer Gesellschaft, das für die Gleichberechtigung aller Menschen steht und kämpft. In meinen Augen sind es feministische Bewegungen, die solchen Missständen entgegentreten.

Ich wähle auch gern bewusst den Begriff „kämpfen“, da es einem Kampf ähnelt diese Werte zu vertreten. Manchmal müssen wir laut sein, um überhaupt gehört zu werden, aber es ist auch für viele ein stiller innerer Kampf, werden die Qualen, die diskriminierte Menschen psychisch erleiden bedacht. Das wünsche ich niemandem, weshalb ich mich dafür stark mache.

Doch ich schweife ab. „Mehr Feminismus in allen Lebenslagen“ erscheint mir tatsächlich etwas schwierig. Was ist schon „DER Feminismus“ und wie viel brauchen wir in welchen Situationen davon? Für mich ist es nichts Messbares.

Auch wenn ich selbst immer wieder von „dem Feminismus“ spreche, ist es für mich vielmehr ein Begriff, der mir einen gewissen Halt und Bestätigung gibt, innerhalb von Kreisen zu sein, die meine Werte vertreten und nachvollziehen können. Das bezieht sich nicht nur auf Gender Equality, sondern auch auf klare Ablehnung jeglicher Marginalisierung und Diskriminierung.

Eben das, was alle Menschen in allen Lebenslagen erfahren sollten, sei es beispielsweise im Job, innerhalb der Familie, in Vereinen, auf Gender getrennten Toiletten bis hin zu Polizeikontrollen.

So lange sich gewisse Menschen ihrer Privilegien nicht bewusst sind und auch eigene Meinungen nicht kritisch hinterfragen (auch innerhalb feministischer Kreise), brauchen wir feministische Bewegungen in allen Bereichen unseres Lebens, damit entsprechende Minderheiten einen Rückhalt und Verständnis erfahren und die Möglichkeit erhalten, im Kollektiv für eine faire, gleichberechtigte Lebensweise zu kämpfen.

 

Mit welcher Art von Feminismus möchtest du nichts zu tun haben?

 

Besonders wohl fühle ich mich, wenn alle Menschen, unabhängig von Gender und Herkunft, in feministische Gruppierungen und Projekte mit einbezogen werden. Das bedeutet jedoch in keinster Weise, dass ich solche ablehne, die das nicht tun. Ich denke jeder sollte nur gut begründen können, warum zum Beispiel Treffen, Workshops oder sonstiges nur für Frauen stattfinden, bzw. eben für alle Gender offen sind. Feminismus ist für mich etwas womit sich Menschen ständig auseinandersetzen, immer im Gespräch bleiben und die eigene Haltung stets hinterfragen (sollten). Solange das Menschen machen, möchte ich mit ihnen zu tun haben, da es super viel Potential zur Diskussion und zur Erweiterung des eigenen Horizonts hat. Das setzt voraus, dass mein Gegenüber das auch so sieht. Sollte dem nicht so sein wäre das wohl der Moment, in dem ich sage “okay konstruktive Kritik nimmst du nicht an um über deinen Tellerrand zu schauen, dann ist unser Gespräch über Feminismus wohl hier beendet.”

Beispiele hierfür wären Frauen* die behaupten Feminismus sei nicht für Cis-Männer oder beim “White Feminism”.

Auch bei Menschen, die rassistische Tendenzen haben, wenn es um Pauschalisierung von Personengruppen geht bei Thematiken wie beispielsweise Gewalt an Frauen. Stichworte hierzu sind meiner Meinung nach die Kölner Silvesternacht und Alice Schwarzer.


KAT

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